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COVID-19-Intensivpatienten werden jünger

COVID-19-Patienten auf den Schweizer Intensivstationen der dritten Welle waren jünger und hatten mehr Vorerkrankungen als die Patienten der ersten und zweiten Welle. Sie erlitten tendenziell schwerere Formen von Lungenversagen, konnten ihren Krankheitszustand aber mit der Funktion der anderen Organsysteme besser kompensieren. Und: Die absolute Zahl jüngerer Intensivpatienten stieg. Dies ergibt eine aktuelle Auswertung aus dem RISC-19-ICU-Register.

 
Virusmutationen und Impfungen veränderten die Dynamik der Coronavirus-Pandemie in den letzten Monaten. Der Blick auf die Patientinnen und Patienten, die einen schweren Krankheitsverlauf erleiden und intensivmedizinische Behandlung benötigen, bleibt dabei eine wichtige Quelle für das bessere Verständnis der Krankheit COVID-19, und deren Zahlen sind ein wichtiger Indikator für den Verlauf der Pandemie. Die systematische und kontinuierliche Erhebung und Auswertung von Daten ist für belastbare Aussagen dazu Voraussetzung.
 
Bild: pixabay
 

Dritte Welle: andere Patienten sind betroffen

Ob und wie sich die Intensiv-Patientinnen und Patienten der so genannten dritten Welle von denjenigen der ersten und zweiten Welle unterscheiden, hat ein Team aus Schweizer Intensivmedizinerinnen und -medizinern des am Universitätsspital Zürich angesiedelten RISC-19-ICU Registers untersucht. Die Ergebnisse wurden in Swiss Medical Weekly publiziert.
 
Ausgewertet wurden Daten von den 1829 Patienten, die im in einem Schweizer Spital intensivmedizinisch behandelt werden mussten. 1690 dieser Patienten wurden vor dem 1. Februar 2021 in den Spitälern aufgenommen und werden damit zur ersten und zweiten Welle gezählt, 139 Patienten wurden später hospitalisiert und werden zur dritten Welle gezählt.
 
Die Auswertung dieser Schweizer Kohorte von COVID-19 Patienten aus dem RISC-19-ICU Register, die eine repräsentative Mehrheit der Schweizerischen Intensivstationen umfasst, bestätigte den Eindruck der Schweizer Intensivmediziner: Die kritisch kranken Patienten der dritten Welle unterscheiden sich markant von den Patientinnen und Patienten, die in der ersten und zweiten Welle auf den Schweizer Intensivstationen lagen. Sie sind im Durchschnitt fünf Jahre jünger (Median über alle kritisch kranken COVID-19-Patienten: 66 Jahre), haben einen höheren Body Mass Index und leiden vermehrt an Vorerkrankungen, allen voran an der koronaren Herzkrankheit. Sie tolerieren die Krankheit etwas besser, haben eine tiefere Konzentration von weissen Blutkörperchen und benötigen eher weniger Kreislaufunterstützung. Sie erleiden jedoch tendenziell häufiger eine schwerere Form von akutem Lungenversagen (ARDS). Diese Erkrankungen kann auch bei jüngeren Patienten bleibende Einschränkungen verursachen. So weiss man aus früheren Untersuchungen, dass von jungen Patienten mit einem schweren ARDS nur etwa die Hälfte nach einem Jahr wieder voll arbeitsfähig sind.
 

Impfkampagne zeigt Wirkung – aber nicht nur

Es zeigt sich zwar in den Registerdaten über den gesamten Verlauf der Pandemie, dass jüngere Patienten von einer deutlich tieferen Mortalität betroffen waren als ältere Menschen. Mittels der mathematischen Kombination von Registerdaten zur Staffelung nach Alter und den schweizweiten Belegungsdaten des Koordinierten Sanitätsdienstes der Armee konnte die Auswertung aber zeigen, dass nicht nur die Altersverteilung zu den jüngeren Patienten hin verschoben wurde, sondern auch die absolute Zahl der jüngeren Patienten auf den Intensivstationen deutlich zugenommen hat. «Die Unterschiede, die wir in der dritten Welle beobachten können, hängen wahrscheinlich zu einem grossen Teil mit der nationalen Impfkampagne zusammen», erläutert Matthias Hilty. Der Intensivmediziner am USZ ist Leiter des RISC-Registers und Hauptautor der Studie. «Jedoch deutet der überproportionale Anstieg der absoluten Zahl an jungen Intensivpatienten, zusammen mit dem vermehrten Auftreten von Vorerkrankungen und der erhöhten Schwere der Lungenerkrankung darauf hin, dass Personen mit den genannten Faktoren nicht einfach weniger, sondern anders auf das SARS-CoV-2-Virus reagieren als die Patienten der ersten und zweiten Welle, was auch auf veränderte Viruseigenschaften hindeutet. Dies gibt Anlass zur Vorsicht und sollte in der weiteren Planung zur öffentlichen Gesundheit und der Impfstrategie berücksichtigt werden. Und natürlich werden wir die Daten aufmerksam weiter verfolgen.»