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Mediadaten

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Engineering-Spezialisten werden weiterhin gesucht – gute Chancen für Senior-Fachkräfte

Die Nachfrage nach Fachkräften im Bereich Engineering bleibt in allen Branchen hoch. Wegen des demografischen Wandels können frei werdende Stellen nur mit Mühe besetzt werden. Für die zurzeit in die Arbeitswelt eintretenden Millennials ist persönliche Selbstverwirklichung genauso wichtig wie der berufliche Erfolg.

Patrick Schulz, Senior Department Manager Contracting Engineering bei Hays

 
Nach einem konstanten Anstieg im vergangenen Jahr und einem Rekordhoch zum Jahresbeginn 2019 hat die Nachfrage in der Schweizer Wirtschaft nach Spezialisten im Bereich Engineering zuletzt zur Jahresmitte 2019 leicht nachgelassen. Dies zeigt der Hays Fachkräfte-Index für die erste Jahreshälfte 2019. Im Engineering ist der Index im 2. Quartal von zuvor 243 auf 221 Punkte geschrumpft. 5096 Ingenieure wurden gesucht, rund 10 Prozent weniger als im Quartal zuvor. Zu den gefragtesten Profilen zählten Entwicklungsingenieure, z. B. für Antriebstechnik, Automatisierung, Elektrotechnik, Hardware, Maschinenbau und Mechatronic (1090 offene Stellen), Elektroingenieure (970) sowie Bauingenieure (850).
Von einer Abkühlung bei der Nachfrage nach Fachkräften kann jedoch keine Rede sein. Es war absehbar, dass die Rekordnachfrage vom letzten Winter nicht gehalten werden kann. Dennoch liegt der Bedarf im 2. Quartal 2019 über dem Jahresdurchschnitt 2018. Der Schweizer Engineering-Markt blüht also.
 

Schweizer Automobilzulieferer als «Hidden Champions» 

In Deutschland sehen die Verhältnisse etwas anders aus. Die aktuellen Handelskonflikte, der nachlassende Welthandel und die ungewisse globale wirtschaftliche Entwicklung wirken sich auf die noch stärker als in der Schweiz auf Export fokussierte Industrie intensiver aus. Die deutsche Wirtschaft wird auch stark von der Automobilindustrie geprägt, die durch den Dieselskandal und den plötzlichen Trend zur Elektromobilität verunsichert ist. Die zukünftigen Technologien bergen grosses Potenzial; im Augenblick weiss aber noch niemand so genau, wie sich dieses erschliessen lässt. Die in der Schweiz ansässigen Automobilzulieferer sind klein und fokussiert und als Nischenanbieter eher «Hidden Champions», die weniger von den grossen Trends betroffen sind.
In der Schweiz hat die Nachfrage nach Fachkräften in der Luft- und Raumfahrtindustrie zuletzt spürbar angezogen. Die Probleme bei Boeing, die Entwicklung neuer Verteidigungssysteme und die privaten Raumfahrtambitionen von Akteuren wie Elon Musk tragen vermutlich dazu bei. Auch in der Baubranche und in der Medizinaltechnik bleibt die Nachfrage nach Ingenieuren auf hohem Niveau stabil.
 

Das Angebot an Mittdreissigern dünnt aus 

Die Babyboomer mit Geburtsjahrgängen 1946 bis 1964 scheiden bereits seit einigen Jahren nach und nach aus dem Arbeitsmarkt aus. Die niedrigeren Geburtenraten späterer Jahrgänge werden glücklicherweise dadurch ausgeglichen, dass mehr junge Leute eine akademische Ingenieurslaufbahn eingeschlagen haben.
Im Alterskorridor zwischen den Endzwanzigern und den Mittdreissigern dünnt das Angebot dennoch aus. Erfahrene Fachleute mit fünf bis zehn Jahren Berufspraxis wären allerdings für die Wirtschaft besonders interessant, denn sie kennen die Abläufe, sind aber noch anpassungsfähig. Im Prinzip lassen sich die Kandidaten in drei Altersgruppen unterscheiden: Berufsanfänger, erfahrene Fachleute und Senioren. Senioren, also Leute über sechzig, haben heute mehr Chancen denn je, insbesondere in temporäre Arbeitsverhältnisse einzutreten. Die Arbeitgeber profitieren von der Erfahrung und der Gelassenheit älterer Fachkräfte, und diese können in spannende neue Berufsfelder eintauchen. Das produktive Lebensalter dehnt sich also zusehends aus.
Zudem sind in der Schweiz Sabbaticals beliebt, ein Konzept, das im Ausland nicht in diesem Ausmass auftritt. Eine spezialisierte Fachkraft kann hierzulande sicher sein, nach einer längeren Reise wieder einen Job zu bekommen. In der Schweiz können es sich auch mehr Leute finanziell leisten, einige Monate auf ein Einkommen zu verzichten. Eine Auszeit ist daher kein Grund für einen Karriereknick.
 

Rekrutierungsprozesse sind noch nicht optimal 

Die erfolgreiche Besetzung von offenen Stellen hängt nicht nur vom Markt, sondern auch von den eigenen Rekrutierungsprozessen ab. Für den externen Personaldienstleister ist es unerlässlich, dass er mit dem Arbeitgeber eine sehr genaue Bedarfsanalyse durchführt. Leider wird zum Beispiel der zukünftige direkte Vorgesetzte oft erst spät hinzugezogen, was dazu führt, dass sich die Initialausschreibung und die im Kandidateninterview geforderten Qualifikationen oft unterscheiden. Das macht es schwierig, die richtigen Fachkräfte zu vermitteln.