Laborscope durchsuchen...

Mediadaten

Download Mediadaten 2017

Laborscope das offizielle Organ des Fachverbandes für Laborberufe Schweiz.

Laborant/in EFZ Fachrichtung Biologie

Besuch überbetrieblicher Kurs Modul 5

Am 2. Juni 2017 besuchte ich die Lernenden im Lehrlabor am zweiten Tag des üK Moduls 5.

Das Ziel des Moduls 5 ist die Einführung in das projektorientierte Arbeiten. Das Projektthema lautet «Joghurt – ein Lebensmittel aus biologischer Sicht». Die Lernenden führen ein Projekt auf der Grundlage der so genannten 6-Schritte-Methode durch. Bei den 6 Schritten handelt es sich um Informieren, Planen, Entscheiden, Realisieren, Kontrollieren und Auswerten. Die einzelnen Schritte werden von Herrn Andreas Tschanz, verantwortlicher Ausbildner, in einer Einführung mit den Lernenden besprochen. Nachdem sie sich einige grundlegende Informationen rund ums Thema Joghurt erarbeitet haben, erhalten sie vom Ausbildner Hinweise zu Methoden, welche durchgeführt werden könnten, und zu vorhandenen Materialien. Die Lernenden definieren anschlies-
send ihr Projektziel in Form eines Konzepts und übernehmen die Verantwortung für den Verlauf der Arbeit, beginnend mit den Vorbereitungen, bis zur Präsentation am letzten Kurstag. Sie arbeiten mit bekannten Methoden aus dem üK oder dem Lehrbetrieb oder mit neuen Methoden, welche sie sich selbstständig aus der Literatur erarbeiten.

Bei meinem Eintreffen finde ich die Lernenden interessiert und mit viel Freude in Zweierteams an der Arbeit im Labor oder im Theorieraum. Als erstes erstellen sie einen Ablaufplan mit all den Methoden und Materialien, die sie für ihre Arbeit benötigen. Sie suchen die dafür benötigten Informationen im abgegebenen Dossier und im Internet. Verlangt ist auch eine Zeitplanung. Die Lernenden erzählen mir vom Ziel ihres ausgewählten Projekts und den momentanen Arbeiten. Sie verfolgen ihre Schritte mit grossem Interesse und notieren die Durchführung ausführlich in ihrem Protokoll.  Zeitliche Abweichungen von der Planung werden im zuvor erstellten Tagesplan festgehalten.

Folgende Fragestellungen werden untersucht:
Mit welchen Milchsorten kann man Joghurt herstellen? Funktioniert dies eventuell auch mit lactosefreier Milch, Mandelmilch und Kokosmilch? Wie viele Bakterien und wie viel Lactose hat es in den verschiedenen Joghurtsorten? Wie werden die Joghurtsorten geschmacklich beurteilt?
Enthält eine Kapsel mit probiotischen Bakterien, welche zur Therapie von Beschwerden im Verdauungssystem verwendet werden kann, tatsächlich die angegebene Anzahl lebender Milchsäurebakterien? Kann bestätigt werden, dass es sich um den angegebenen Bakte-rienstamm handelt? Ist es möglich, diesen Bakterienstamm an Stelle des normalerweise eingesetzten zur Herstellung von Joghurt zu verwenden?
Welche Bakterienstämme sind in einem normalen Nature-Joghurt und in einem probiotischen Bifidus-Joghurt enthalten? Sind die Bakterien aus dem Bifidus-Joghurt tatsächlich magensäureresistent, über-leben dadurch die Magenpassage und kommen lebend im Darm an?

Die Arbeitstechnik im Modul 5 verlangt Disziplin und Genauigkeit. Zur Anwendung kommen neben den klassischen mikrobiologischen auch biochemische und molekularbiologische Methoden. Noch stehen den Lernenden einige Arbeitsschritte bevor bis zur Präsentation. Vielleicht gelingt im ersten Anlauf nicht alles wie gewünscht, aber auch das ist eine wichtige Erfahrung bei der Durchführung eines Projekts.

Nicht weniger Arbeit wartet auf Herrn Tschanz. Nebst all den Fragen der Lernenden, die immer wieder auftauchen, diskutiert und beantwortet werden, müssen die Projektdurchführung und die umfangreichen Projektdokumentationen bewertet werden, um zum Kursschluss die Beurteilungsdokumente erstellen zu können.
Es ist der letzte üK für die Lernenden, was sie bedauern. Ab August sind sie bereits im letzten Jahr der Ausbildung. Sie haben sich immer besonders darauf gefreut, im üK Neues und Interessantes zu erlernen, den Austausch mit Mitlernenden zu pflegen und jederzeit mit ihrem Ausbildner, Herr Tschanz, ihre Fragen zu diskutieren.

Zuletzt wollte ich wissen, was ihnen besonders gefällt. In jeder der drei Gruppen erhielt ich die gleiche Antwort: das selbstständige Arbeiten und die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen. Sie sind begeistert, ein spannendes, forderndes Projekt zu bearbeiten. Zudem fördern die notwendigen Absprachen im Zweierteam, aber auch im Gesamtteam, die soziale Kompetenz. Sie bedauern es, dass der Kurs nicht länger dauert.
Auch ich wäre gerne noch etwas länger geblieben. Nebst den interessanten Arbeiten ist es auch immer erfreulich, die Begeisterung der Lernenden mitzubekommen und mitzuerleben.

Charlotte Rothenbühler