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7-8/16 Interview bei Wenger + Wirz AG Schaffhausen

Domenik Bregler und Armend Mustafi stellen uns den Beruf Montage-Elektriker vor.

Als erstes herzlichen Dank an Herrn Marius Koch, Eidg. Dipl. Elektroinstallateur und Lehrlingsbeauftragter der Wenger + Wirz AG für seine spontane Zusage und die Zeit die er sich für uns reserviert hat.  Einen lieben Dank gilt auch an die beiden angehenden Montage-Elektrikern Lernenden Domenik Bregler, 2. Lehrjahr und Armend Mustafi, 1. Lehrjahr. Sie kamen extra für uns von einer Baustelle zurück um uns etwas aus ihrem Alltag zu erzählen. 

 

Das Unternehmen Wenger + Wirz gehört zur BAUMANN KOELLIKER GRUPPE. Mit über 145 Jahren und zwölf Unternehmungen und rund 900 Mitarbeitenden gehört  die Baumann Koelliker Gruppe zu den ältesten Elektroinstallationsunternehmungen der Schweiz und zu den Pionieren in der Entwicklung der Elektrizität.  Den Grundstein für die Firmengruppe gelegt haben im Jahr 1868 Otto Stirnemann und Werner Weissenbach. 1905 erfolgt ein Namenswechsel und 1919 die Umwandlung in eine AG. 1990 wurde das Logo mit den drei gelben Streifen kreiert. Es zeigt sowohl die Zusammengehörigkeit als auch die Individualität der einzelnen Geschäftseinheiten.  Bemerkenswert ist sicher die Beteiligung 1911 beim Bau der Gotthardleitung am Axenberg und 1912 beim Bau von Überlandleitungen in Lothringen. $
Nicht weniger interessant ist ein Blick zurück in der Geschichte der Wenger + Wirz AG. Sie wurde 1906 durch Ernst Wenger in Stein am Rhein gegründet. Neben dem Verkauf von Uhren und Schmuck befasste er sich auch mit der damals neu aufkommenden zukunftsträchtigen Elektrotechnik. 
Als einer der ersten Konzessionäre begann er mit der Elektrifizierung von Stein am Rhein und den umliegenden Gemeinden. Bereits 1918 wurden Filialen in Diessenhofen und Steckborn eröffnet.
Heute ist die Wenger + Wirz AG das grösste Elektroinstallationsunternehmen im Raum Schaffhausen und beschäftigt rund 90 Mitarbeiter, davon 25 Lernende.
Im Jahr 2004 erfolgte der Übertritt in die Baumann Koelliker Gruppe. Sie erwarben das SQS-Zertifikat ISO 9001 und IONet certificate ISO9001:2008 (international) Sie ist stark bei Elektroinstallationen in Industrie und Gewerbe, in Service und Unterhalt, sowie in Telematik, Gebäudetechnik und führt auch gesetzliche Kontrollen durch.

    

 

Interview mit Armend Mustafi 1. Lehrjahr

Noch ungewiss welcher Berufsausbildung Armend Mustafi wählen wollte, entschloss er sich verschiedene Schnupperlehren zu absolvieren. Er wusste, dass es etwas handwerkliches sein soll und schaute sich erst einmal im Baugewerbe um. «Alles was mit Werken zu tun hat war schon immer meine bevorzugte Freizeit Beschäftigungen. Ich war fasziniert von der Technik und den verschiedenen Materialien.  
Dann las ich das Schreiben für die einwöchige Schnupperlehre als Montage Elektriker EFZ bei Wenger + Wirz und meldete mich. Hier hat es mir sofort und am besten gefallen», sagt Armend Mustafi strahlend.  «Ich bewarb mich umgehend für eine Lehrstelle und hatte Glück. Ich durfte einen Lehrvertrag unterschreiben». 

Wie sieht es mit dem Angebot und der Nachfrage betreffend Lehrstellen aus, war eine Frage von meiner Seite. Herr Koch ergänzt, dass es für Schüler nicht einfach ist, die passende Lehrstelle zu finden. 
Aber auch Betriebe wie die Wenger + Wirz AG haben oft Mühe ihre offenen Lehrstellen zu besetzen. Die Arbeiten als Montage-Elektriker sind teilweise anstrengend, manchmal auch mit Staub verbunden. Das ist bei vielen Jungen ein Hinderungsgrund diese Ausbildung zu wählen. Anderseits sind die Anforderungen an der Berufsfachschule hoch. 
Vermehrt findet eine Spezialisierung statt. Die gesetzlichen Vorschriften werden zunehmend strenger. «Zusätzlich sind firmeninterne Vorschriften zu berücksichtigen», erklärt mir Herr Koch. «Ohne spezielle Prüfung darf die Hebebühne bei uns beispielsweise nicht benutzt werden». 

Nun wollte ich von Armend Mustafi etwas über seine bis dahin erworbenen berufspraktischen Fertigkeiten wissen.  «Ich durfte bereits nach Vorgaben selbständig arbeiten. Ich bin viel unterwegs und arbeite im Team. Auch den Umgang mit den verschiedenen Werkzeugen kenne ich. Das Arbeitsgebiet ist abwechslungsreich. Interessant ist dabei, dass der Arbeitsort öfters wechselt. Das heisst, unsere Arbeit beginnt mit dem ersten Spatenstich eines Gebäudes bis zu Übergabe. 
Auf den Baustellen stellen wir Baustromverteiler auf, damit die am Bau beteiligten Handwerker Strom für ihre Geräte haben. 
Bei der Firma Wenger + Wirz AG ist das Angebot für die Kunden gross. Nebst dem Gebäudebau, Industrieservice und Privatkundenbetreuung bieten sie auch  Telematik Lösungen sowie Licht- und Steuerungssysteme an. So konnte ich mir bereits ein vielseitiges Wissen erwerben». 

    

 

Nun hat mich interessiert, ob sich bei Armend Mustafi in der kurzen Zeit schon favorisierte Arbeiten herauskristallisiert haben. 
«Ich erledige alle Arbeiten gerne», sagt der Lernende. «Es macht bei so viel Abwechslung einfach Spass immer neues Wissen zu erwerben und vermehrt selbständig zu arbeiten». Gibt es wirklich keine Arbeiten die weniger Begeisterung bringen, fragte ich nach. 
Armend Mustafi überlegt und meint schliesslich; «Beim Fräsen und Bohren für Schlitze und Rohre für Unterputzdosen oder Einlasskasten entsteht viel Staub. Da freue ich mich natürlich auf den Feierabend. Aber solche Arbeiten gehören halt einfach zum Beruf und müssen ab und zu erledigt werden».  

Bleibt bei all den auswärtigen Arbeiten, Besuch der Berufsfachschule und üK`s noch Zeit für Hobbys?
«Ja sicher» meint Armend Mustafi spontan. «Ich spiele im Fussballclub mit. Teamarbeit am Arbeitsort und in der Freizeit, da muss die Zeit schon gut eingeteilt werden». 

Wir danken Armend Mustafi für das Gespräch und dafür uns etwas aus seiner Arbeitswelt zu erzählen. Wir wünschen ihm weiterhin  viel Begeisterung und Freude während seiner Lehrzeit.  

Interview Domenik Bregler 2. Lehrjahr

Als es Zeit wurde sich Gedanken zur Ausbildung zu machen hatte Domenik Bregler noch keinen spezifischen Berufswunsch. Die Eltern machten ihn auf den Beruf Montage-Elektriker EFZ aufmerksam.  Er entschloss sich einige Schnupperlehren zu absolvieren und konnte sich für diese Ausbildung begeistern.
«Ich erkannte sofort die abwechslungsreichen Tätigkeiten und die Möglichkeiten zur Weiterbildung nach der Grundlehre. Aber auch bereits ohne Weiterbildung ist diese Branche gefragt», erklärt Dominik Bregler. «In der Schule hat mich die Werkstoffkunde immer besonders interessiert. Dazu gehörte auch die Elektrotechnik.  
Also habe ich einen Aufnahmetest absolviert und meldete mich für eine Schnupperlehre bei Wenger + Wirz AG in Schaffhausen. Als ich danach tatsächlich einen Lehrvertrag unterschreiben durfte, habe ich mich gefreut. Hier hat es mir bereits in der Schnupperlehre bestens gefallen». 

Wo wird die Berufsfachschule besucht und was sind die Hauptfächer war eine Frage von mir. 
«Die Berufsfachschule und die üK`s besuchen wir in Schaffhausen. Die üK`s finden jährlich während drei Wochen statt.
Die Berufsbezogenen Fächer sind: Bearbeitungstechnik, z.B. Werkstoffe, Arbeitssicherheit
Technologische Grundlagen z.B. Mathematik, Elektrotechnik
Technische Dokumentation
Elektrische Systemtechnik
Die üK`s beinhalten übergreifende Bildungsthemen, zum Beispiel Werkstoffe, Werkzeugkunde, elektrische Systemtechnik“

Mich interessierte nun die Meinung von Herrn Koch zur Konstellation der drei Bildungsorte, Lehrbetrieb, überbetriebliche Kurse und Berufsfachschule.
«Ich kann dies befürworten. Im üK lernen die Lernenden alle Werkstoffe, Werkzeuge und deren Umgang kennen.  Bei uns beginnt der Einstieg in die Berufslehre mit einem Einführungslager. Dort treffen sich alle neu eintretende Lernenden der Firmen, welche zur Baumann Koelliker Gruppe gehören.
In zwei Wochen vermitteln wir den Lernenden die z. T. äusserst wichtigen Sicherheitsvorschriften. Wir führen aber auch einen Nothilfekurs durch. Gleichzeitig lernen sich die Lernenden der zwölf Unternehmen kennen.
Vor der Abschlussprüfung treffen sich die Lernenden nochmals, diesmal für die Vorbereitungen der LAP.  Die Prüfungen für unsere Lernenden finden im üK Zentrum Schaffhausen statt. Nach einem Tag schriftlicher Arbeiten folgen zwei Tage in denen das praktische Können geprüft wird. Fünf Stunden sind für die mündliche Prüfung reserviert».  

Interessiert haben mich jetzt die Haupttätigkeiten von Domenik Bregler.
«Wir erstellen die Installationen zur Nutzung von elektrischer Energie. Die kann im Gebäude oder um das Gebäude sein. Anhand von Plänen verlegen wir vor dem Betonieren die Rohre und befestigen diese. Mit Hilfe der Installationspläne ziehen wir die Kabel und Drähte in die Rohre ein. Im Keller oder in den technischen Räumen montieren wir die Kabelstrassen um später die Kabel der elektrischen Anlagen und der Kommunikation zu verlegen. Wir arbeiten drinnen oder draussen, selbständig aber auch öfters im Team». 
In der facettenreichen Ausbildung mit wechselnden Arbeitsorten, gibt es sicher bevorzugte Arbeiten fragte ich den Lernenden. «Ich gehe täglich motiviert an die Arbeit und erledige alles mit der gleichen Freude». Aber sicher gibt es auch etwas das weniger begeistert, fragte ich nach. 
«Arbeiten die mit Staub verbunden sind oder ab und zu müssen wir auch Gipsen, das ist natürlich weniger spannend». 

Macht sich Domenik Bregler schon Gedanken zur Weiterbildung und welche Möglichkeiten bestehen war eine Folgefrage von mir. «Als erstes arbeite ich nun auf eine gute Abschlussprüfung hin. Dann erst werde ich mir Überlegungen machen. Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind sehr gut. Das gibt mir die Möglichkeit vorerst mein Wissen zu vertiefen». 

Weiterbilden kann man sich als:
Sicherheitsberater
Projektleiter
Meisterprüfung

Bei dieser abwechslungsreichen Ausbildung mit dem stets neuen Wissen das erlernt werden muss und den öfters wechselnden Arbeitsorten, bleibt da noch Zeit für die Hobbys? «Diese Zeit ist mir wichtig. Ich brauche einen Ausgleich zur Arbeit. Deshalb spiele ich im Fussballclub. Ach die Musik ist mir sehr wichtig».

Wir danken Domenik Bregler herzlich, für seine Bereitschaft, uns etwas aus seinem Alltag zu erzählen. Wir wünschen ihm weiterhin diese Freude und Erfolg bei seinen Tätigkeiten. 

Herr Koch beantwortet mir noch einige Fragen.
Was muss ein Schüler oder Schülerin noch mitbringen ausser der Freude an der Technik und dem arbeiten im Team? «Handwerkliches Geschick. Seine Stärken müssen eher im manuellen Bereich liegen. Auch zuverlässiges und verantwortungsbewusstes Arbeiten, das Bewusstsein, dass es auch Arbeiten im Freien erfordert und Flexibilität bezüglich Arbeitsort ist wichtig.  Zudem müssen die Lernenden ein gutes Verständnis für Mathematik, Natur und Technik mitbringen. Im letzten Lehrjahr können viele Tätigkeiten selber geplant werden. Dann arbeiten die Lernenden selbstverantwortlich. Wir bei Wenger + Wirz versuchen bereits früh, den Lernenden viel Eigenverantwortung zu geben und vertrauen ihnen. Oft gehen sie direkt von zu Hause aus auf die Baustellen und erhalten dort vom Projektleiter die nötige Betreuung und Anweisungen.»
Wie sieht es mit Praktiken in anderen Betrieben aus war eine weitere Frage von mir.  «Intern können wir alles, was die Ausbildung verlangt, anbieten», erklärt mir Herr Koch.  

Kann der Berufsmatur Unterricht während der Ausbildung besucht werden? «Da stehen wir den Lehrlingen nicht im Weg, wir unterstützen die Lehrlinge soweit es geht, jedoch ist die Berufsmatur sehr anspruchsvoll und es verlangt von den Lehrlingen einen besonders grossen Einsatz.»

Wir danken Herrn Koch für seine interessanten Ausführungen. 

Einmal mehr wird uns bewusst, wie wichtig ein gut ausgebautes und unterhaltenes Stromnetz ist, so dass wir jederzeit Strom aus der Steckdose erhalten. Wir erkennen nun auch all die Arbeit welche vorgängig geleistet wird. 

 

 

Charlotte Rothenbühler