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6/16 Der Beruf Elektroplaner/ -in EFZ stellt sich vor.

Interview bei SCHERLER AG SOLOTHURN

Als erstes herzlichen Dank an Herrn Dominik Borer, Elektroplaner mit eidg. FA, Berufsbildner und Mitglied der Gerschäftsleitung für seine spontane Zusage und die Zeit die er sich reservierte um uns den Beruf Elektroplaner/ -in EFZ vorzustellen. Einen lieben Dank an Marco Purtschert, er erzählt uns aus dem Alltag der Berufsbildung. 

Ein kurzer Rückblick zur Entwicklung der Firma Scherler AG lohnt sich, sie reichen bis ins Jahr 1923 zurück. Damals wurde in Trubschachen/Bern die A.Scherler & Cie gegründet. Vorerst als reines Elektrounternehmen, welches sich nach und nach zu einem Elektro-Ingenieurbüro entwickelte. 

Bald entstanden verschiedene Zweigniederlassungen in der ganzen Schweiz, so auch in Solothurn. Im Jahr 1982 erfolgte eine Namensänderung in BERING AG und im Jahr 1992 in GRAU & SCHERLER AG. Der Standort Solothurn entwickelte sich kontinuierlich und wurde 1992 eine eigenständige AG. Im Jahr 2000 erfolgte die Namensänderung in SCHERLER AG SOLOTHURN. Das ganze Unternehmen ist seit 1996 ISO 9001:2008 zertifiziert, Qualitätsmanagementsystem.  Im 2016 darf SCHERLER AG SOLOTHURN bereits 40 Jahre feiern.  Beschäftigt werden Fachleute aus den Berufsfelder Elektroplaner, Elektrotechniker und Elektroingenieure. Zum Team gehören jeweils zwei Lernende welche zum Elektroplaner/ -in EFZ ausgebildet werden.  Planungsaufträge werden im Grossraum Solothurn realisiert. Die Dienstleistungen beginnen bei der Beratung bis zur Realisierung der Elektroplanung.

 

 

Das breite Spektrum realisierter Aufträge umfasst:

  • Industrie
  • Bundesamt für Strassen ASTRA
  • Schulen und öffentliche Gebäude
  • Restaurants
  • Wohn- und Geschäftsüberbauungen / Minergiebauten / Banken
  • Mehrzweckanlagen
  • Spitäler / Kliniken / Alters- und Pflegeheime
  • Logistikbetriebe
  • Fleischverarbeitende Betriebe
  • Kirchen

Im Weiteren werden spezielle Planungsaufträge durchgeführt:

  • Sanierung von Stark- und Schwachstromanlagen
  • Blitzschutzanlagen

 

Daraus erahnt man bereits die Vielfältigkeit des Berufs Elektroplaner/ -in EFZ.
Elektrizität ist in allen Bereichen des täglichen Lebens zur Selbstverständlichkeit geworden. Eine Voraussetzung ist ein gut ausgebautes Stromnetz damit täglich Energie an unseren Steckdosen bezogen werden kann. Für all diesen Komfort den wir jederzeit geniessen braucht es vorgängig eine sorgfältige Beratung und Planung. Dies erfolgt durch die Elektroplaner/ -in.

 

Wir freuen uns, dass Marco Purtschert, 2. Lehrjahr, uns etwas aus seinem Alltag erzählt. 

Marco Purtschert war noch unsicher, welchen Beruf er nach der obligatorischen Schulzeit erlernen will. «Ich hatte noch keinen spezifischen Berufswunsch. Mein Grossvater war Elektroinstallateur und hat mich auf die Ausbildung Elektroplaner EFZ aufmerksam gemacht welche ich damals noch nicht kannte. Strom hat mich schon früh fasziniert. Er ist unsichtbar, geruchlos, nicht fassbar und bildet eine Gefahr welche nicht wahrgenommen werden kann. All diese verschiedenen Phänomene der Elektrizität, Stromerzeugung, Regelungs- und Steuerungsmesstechnik haben mich neugierig gemacht. Dieses Verständnis zu erlangen war dann ausschlaggebend für die Wahl der Ausbildung.»

Wie schwierig war es eine Lehrstelle zu finden, wie sieht das Angebot im Allgemeinen aus? 
Herr Borer erklärt mir, dass es eher schwierig ist. Dies sowohl bezogen auf das Angebot an Lehrstellen, wie auch in Bezug an die benötigte Qualifikation welche die jungen Leute mitbringen müssen. «Im Kanton Solothurn gibt es nur sechs bis acht Betriebe die diese Ausbildung anbieten. Bei kleineren Betrieben wird oft nur alle 2 Jahre eine Lehrstelle frei.»  

Was muss ein Schüler oder Schülerin mitbringen nebst der Freude an technischem Verständnis und dem Arbeiten am PC, war meine nächste Frage an Herr Borer.

«Sie benötigen eine gute Leistung in den Fachgebieten Mathematik, Naturlehre und Technik. Sehr wichtig ist ein gutes räumliches Vorstellvermögen, eine verantwortungsvolle, exakte Arbeitsweise, Ausdauer, Geduld und Organisationstalent. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, die Freude in einem Team zu arbeiten. An der Berufsfachschule sind wir momentan 10 Lernende im 2. Lehrjahr, davon 10 aus dem Kanton Aargau und 3 aus dem Kanton Solothurn» erzählt mir Marco Purtschert. 
«Meinerseits hatte ich Glück, nach der Schnupperlehre bei SCHERLER AG SOLOTHURN, konnte ich einen Lehrvertrag bei diesem Betrieb unterschreiben. Ich wusste, nun habe ich 4 interessante, abwechslungsreiche Ausbildungsjahre vor mir. Ich freute mich richtig auf den Lehrbeginn.

Wie ich heraushöre wird die Berufsfachschule in Aarau besucht, werden auch die   üK`s dort durchgeführt? «Diese finden ebenfalls in Aarau statt», antwortet mir Marco Purtschert. 
Die überbetrieblichen Kurse dauern im 1. Lehrjahr 4 Wochen, im 2. Lehrjahr 3 Wochen und im 4. Lehrjahr noch 2 Wochen. 

Im 3. Lehrjahr wird ein 6-monatiges Baupraktikum als Elektroinstallateur in einem Elektrounternehmen absolviert. 

Die Berufsbezogenen Fächer an der Berufsfachschule sind:

  • Bearbeitungstechnik
  • Technologische Grundlagen inkl. Mathematik
  • Technische Dokumentation
  • Elektrische Systemtechnik 
  • Kommunikationstechnik VT
  • Sprache / Kommunikation
  • Gesellschaft
  • Die beiden letztgenannten Themen gehören zum Teil Allgemeinbeinbildender Unterricht (ABU)

 

Die üK`s beinhalten übergreifende Bildungsthemen, zum Beispiel:

  • Elektrische Systemtechnik
  • Bearbeitungstechnik
  • Technologische Grundlagen
  • Werkstattzeichnen

Wie sieht Herr Borer die Konstellation der drei Bildungsorte war ich jetzt interessiert.

«Ich finde es eine ideale Lösung. Die drei Bildungsorte arbeiten eng zusammen. Damit erkennt man frühzeitige Schwachstellen bei welchen wir Lernende etwas vermehrt unterstützen müssen. Das auswärtige Praktikum erweitert das Wissen der Lernenden nicht nur fachlich, sie lernen sich gleichzeitig in ein neues Team einzuarbeiten und lernen eine neue Firmenkultur kennen.» 

Was sind die Haupttätigkeiten war ich weiter neugierig geworden. 

Marco Purtschert erzählt mir, was er in den beiden Lehrjahren bereits an Wissen erworben hat: «Der Einstieg in die Berufslehre beginnt mit dem kennen lernen der verschiedenen Computerprogramme. Es folgte das Zeichnen von Installationspläne, Elektro- und Prinzipschemas. Es werden Kundenordner zusammengestellt, Pläne geplottet, zugeschnitten und gefaltet. Bereits im 2 Jahr erlebte ich die ersten Kundenkontakte an Besprechungen und auf Baustellen.» 

Herr Borer ergänzt, was in den beiden letzten Jahren noch dazu kommt:

«Im 3. Lehrjahr befassen sich die Lernenden mit kleineren Projekten. Mit dem Computer werden Leitungen, Schaltstellen, Steckdosen, Leuchten, Verteilschränke in die Grundnisspläne des Architekten eingezeichnet.  In diesem Jahr kommt das obligatorische Bau Praktikum dazu welches viel Neues an Wissen und Erkenntnissen bringt. All dies erfordert einiges an die Lernenden. Im letzten Ausbildungsjahr können Lernende bereits selbständig den planerischen Teil eines Projekts übernehmen. Man hat das nötige Fachwissen erworben.

Dazu kommen die Vorbereitungen für die Lehrabschlussprüfung. Die Hauptarbeit Fachgebiet Installationsplanung wird am PC im Lehrbetrieb durchgeführt, der restliche Teil an der Berufsfachschule. Während man früher noch von Hand Zeichnungen mit Bleistifft oder Tusch erstellt hat, wird heute alles nur noch am Computer mit CAD Programmen gezeichnet. Die verschiedenen CAD-Programme sind der Grund, dass dieser Teil im Lehrbetrieb stattfindet.»

Der berufliche Alltag ist geprägt durch das genaue einhalten von Normen, Sicherheitsvorschriften und Abgabetermine.  

Elektroplaner und Elektroplanerin entwerfen und zeichnen Projektpläne und erarbeiten Detailpläne für den konkreten Bau von Gebäuden. Sie sind wichtige Partner der Bauherrschaft und des Archidekten. Die ersten Abklärungen erfolgen bereits vor dem ersten Spatenstich. 

Bei Systemen der Gebäudeautomation legen sie die Parameter der Sensoren und Aktoren fest und halten diese in der Anlagedokumentation fest.  

Zur Hausinstallationstechnik zählt die Feinverteilung der elektrischen Energie, zum Beispiel Beleuchtungs- Wärme- und Kommunikationsanlagen in Wohn- und Geschäftshäusern oder Industriebauten. Dazu gehört auch die Erschliessung von Telefon, Internet und Fernsehen.

Sie planen die Stromversorgung der Gebäude bis ins Detail und überwachen die korrekte Ausführung.  

Ich erkenne, nebst dem Hauptarbeitsplatz im Planungsbüro sind Elektroplaner/Innen auch auf der Baustelle anzutreffen um die Ausführungen der Installationen zu überwachen. Das bedeutet für mich ein guter Mix aus PC Arbeiten und Bewegung auf Baustellen. Das ist so, antwortet mir Herr Borer. Die Ausbildung Elektroplaner EFZ und Elektroplanerin EFZ ist äusserst facettenreich und eine spannende Grundbildung. Ein solches Wissen aus Theorie und Praxis öffnet im späteren Berufsleben diverse Türen.

 

Nun war ich doch neugierig geworden ob bei all dieser Vielfalt auch bevorzugte Arbeiten bei Marco Purtschert anstehen. «Ich finde alle Arbeiten interessant aber ich freue mich jedes Mal besonders wenn ich bei unterschiedlichen Projekten mitarbeiten kann, zum Beispiel für Spitäler, Schulen oder Wohnbauten und auf Baustellen mitgehen kann.» 

Gibt es auch Arbeiten die weniger spannend sind, fragte ich nach.

«Es kann schon mal Tage geben an welchen man nur mit Zahlen arbeitet, zum Beispiel Listen nachtragen oder Berechnungen durchführen. Dies erfordert eine hohe Konzentration. Da bin ich schon froh, dass ich zwischendurch einen Insallationsplan machen kann. Aber auch solche Arbeiten müssen ab und zu erledigt werden.»

Bei all dem neuen Wissen das im Lehrbetrieb, der Berufsfachschule und in den üK`s erworben werden muss, bleibt trotzdem noch Zeit für die Freizeitgestaltung?

«Ja sicher», meint Marco Purtschert, «ich lese gerne, höre gerne Musik, geniesse die Zeit am Neuenburgersee in unserm Wohnwagen und betätige mich gerne sportlich.» 

Die Weiterbildungsmöglichkeiten sind vielfältig sei dies in der Spezialisierung bis zur Höheren Fachhochschule. 

Sind bei Marco Purtschert solche Gedanken schon vorhanden war meine letzte Frage. «Mein nächstes Ziel nach dem Lehrabschluss ist die BM zu absolvieren. Erst danach werde ich mich für eine Weiterbildung entscheiden.» 

Marco Purtschert lebt nach dem Motto: «Jeder Tag an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag.»

Wir freuen uns, dass wir dieses interessante Gespräch mit Herrn Dominik Borer und Marco Purtschert führen durften. Es gibt uns einen Einblick in die Arbeit hinter dem Netzwerk die vor jeder Installation beginnt. 
Wir wünschen Marco Purtschert weiterhin so viel Freude bei seiner Ausbildung. 

 

Mit seinem Motto wird ihm die Balance zwischen Arbeit und Freizeit und das Erreichen der gesteckten Ziele sicher stets gelingen.