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Berufsvorstellung Graveur/in EFZ bei abc engrave in Zürich

Als erstes lieben Dank an Frau Farmakis, Geschäftsführerin der abc engrave, für ihre spontane Zusage. Ebenso einen herzlichen Dank an Frau Vetta, dass sie sich die Zeit nahm uns den Beruf vorzustellen. Wir freuen uns, einen Beruf kennen zu lehren, welcher weniger bekannt ist, uns aber täglich sichtbar ist. Denken wir nur an die Anschriften bei den Schildern.

Die Gravur ist eine Fertigkeit, die seit Beginn der Menschheit eine wichtige Rolle in unserer Gesellschaft spielt. Durch Überlieferungsgeschichten blieb die Gravierkunst lange mit dem Goldschmiedhandwerk verbunden. Bald begann sich eine Aufteilung in verschiedene Zweige. So entstanden das Kupferstechen, Siegel- und Edelsteingravuren, Glas- und Metallgraveure.

Ich durfte mich im Atelier von abc engrave umsehen. Hier werden seit über 20 Jahren zeitgemässe Beschriftungen für die ganze Schweiz hergestellt. Heute werden mit viel Fantasie und Kreativität nebst Schildern, Buchstaben und Gravuren richtige Kunstwerke hergestellt. Die Materialkompositionen und die Vielfalt der Möglichkeiten machen dies möglich. Es entstehen Unikate und Einzelanfertigungen für besondere Wünsche.

Interview Graveur/in EFZ mit Frau Vetta

Vaia Vetta hat Ihren Qualifikationsabschluss als Graveurin EFZ im Juli 2018 erfolgreich abgeschlossen. Sie stellt uns den eher noch unbekannten Beruf vor.

Gravuren verlangen die Liebe zum Detail verbunden mit handwerklichem Geschick. Was war der entscheidende Punkt für die Wahl dieser Ausbildung, fragte ich als erstes.

Mein Berufsziel war ursprünglich, Kosmetikerin zu erlernen. Erst als ich merkte, dass es in meiner Umgebung keine Lehrstelle gab, machte ich mir weitere Gedanken über andere Berufsrichtungen, welche meinen ungefähren Vorstellungen entsprechen würden. Was ich wusste und wollte, es muss nach getaner Arbeit ein Resultat sichtbar sein, gleichzeitig verbunden mit persönlichen Kontaktmöglichkeiten. Sei dies, indem ich Personen beraten darf oder mit Hilfeleistungen. Ich absolvierte eine Schnupperlehre im Detailhandel. Danach war ich jedoch nicht voll überzeugt, dass es das richtige für mich ist.

Graveurin

Frau Vetta bei der Arbeit. Bild: zVg
 

Frau Farmakis, welche ich kannte, machte mir das Angebot, mich in ihrem Betrieb abc engrave gmbh umzusehen. Den Beruf Graveurin war mir zu dieser Zeit weniger bekannt. Als ich die facettenreichen Arbeiten und Möglichkeiten sah, war mir sofort bewusst, es ist genau das, was meinen Vorstellungen entspricht. Meine Freude war gross, als ich bei abc.engrave einen Lehrvertrag unterschreiben durfte.

Handwerkliches Gestalten und Zeichnen, das waren, seit ich mich erinnern kann, meine liebsten Freizeitbeschäftigungen. Damals schon war ich kreativ und versuchte, meine Ideen aufs Papier zu bringen. Demnach waren in der Schule meine liebsten Fächer genaues, detailliertes und freihändiges Zeichnen, Handarbeit und Geometrie.

Wie sieht es generell mit der Suche nach einer Lehrstelle aus, war meine nächste Frage.

Frau Vetta bedauert, dass es so wenige Lehrstellen gibt. Kleinere Betriebe können die geforderten Ausbildungsanforderungen nicht anbieten. Des Weiteren ist der Beruf zu wenig bekannt. Wir waren an unserer Abschlussprüfung nur drei Personen.

Gibt es denn keine Verbundsmöglichkeiten, hat mich nun interessiert.

Ein freiwilliger Austausch zwischen den Lernenden ist möglich. Ich selber durfte für eine Woche diesen Austausch in einem anderen Lehrbetrieb machen und schätzte diese Erfahrung sehr. Eine andere Firmenkultur kennen zu lehren und Erfahrungen zu sammeln bringt jedenfalls einen Vorteil. Der Gravurenverband ist seit 4 Jahren im Netzwerk Kleinstberufe und engagiert sich für einfachere Rahmenbedingungen zur Ausbildung von Lernenden. Hier bei abc engrave gmbh konnte ich alles erlernen, die Vielfalt an Arbeit erlaubte mir, eine schöne, facettenreiche Ausbildung zu geniessen, sagt Frau Vetta strahlend.

Wo wird die Berufsschule besucht, war meine nächste Frage.

Wir besuchen die Schule für Gestaltung in Zürich. Die Lehre dauert 4 Jahre. Die Hauptfächer sind:

  • - Zeichnen
  • - Berufskundliches Zeichnen
  • - Schriftenzeichnen
  • - Berufskunde
  • - Mathematik
  • - Allgemeinbildende Fächer


Die überbetrieblichen Kurse verteilen sich auf die vier Jahre, während vier Tagen pro Lehrjahr. Sie finden jeweils am Samstag in einem Betrieb statt. Die Themen behandeln spezielle Arbeitstechniken. Vorwiegend sind dies die Handgravuren. Ein Beispiel: Zeichenentwürfe für Bandornamente.

Erlernt werden auch die Grundfertigkeiten der Metallbearbeitung wie Bohren, Sägen, Feilen, Schleifen und Gewindeschneiden. Oft werden in der Gravur auch eigene und spezielle Werkzeuge hergestellt. Die Herstellung solcher Utensilien wird uns während des Kurses ebenfalls vermittelt.

Freiwillig kann nebenbei während der Lehrzeit ein spezieller Kurs zur Vertiefung der Handgravur belegt werden. Es sind zusätzlich je drei Stunden, aufgebaut ähnlich wie der üK.

Wie sieht Frau Vetta rückblickend die Lehre mit den drei Standorten, Betrieb, üK und Berufsfachschule?

Da braucht sich Frau Vetta nicht lange zu besinnen, fröhlich meint sie, das ist sehr ideal. Nebst der Theorie der Berufsfachschule schätzte ich besonders, das Erlernte im üK anschliessend im Lehrbetrieb gleich in die Praxis umzusetzen oder zu vertiefen.

Das Qualifikationsverfahren wird sowohl in der Berufsfachschule wie im Betrieb durchgeführt. Die praktische Abschlussprüfung findet im Betrieb statt. Das Thema wird erst am Prüfungstag vorgegeben. Ich musste einen Siegelstempel mit dem Motiv Drachen herstellen. Meinerseits durfte ich das gut gelungene, kreative und schöne Ergebnis bewundern.

Die theoretischen Fächer beinhalten nebst den Berufskenntnissen das Gestalten von Gravuren mit zeichnerischer Umsetzung. Auch hier ist das Motiv unbekannt.

Was gibt es an Weiterbildungsmöglichkeiten, war die nächste Frage von mir.

Frau Vetta erklärt mir, dass die Schule für Gestaltung zu verschiedenen Themen Kurse anbietet. Eine weitere Variante ist die Spezialisierung zum Beispiel als Goldschmiedin oder in Grafischen Berufen. Falls ein Studium angestrebt wird, kann ein Bachelor FH in Produkt- und Industriedesign abgeschlossen werden.

Gravur ist Handwerk und Tradition. Heute wird zusätzlich mit modernsten Maschinen gearbeitet. Wie beschreiben sie mir ihre Tätigkeiten, fragte ich Frau Vetta.

Hergestellt werden Schilder, Gravuren von verschiedener Grösse und Schriftarten, Monogramme bei Schmuckstücken, Gravuren bei Pokalen, Geschenke oder spezielle Aufträge von privaten Personen. Kurz zusammengefasst: Wir versehen gravierbare Materialien mit Schriftzügen und Motiven. Das Letztgenannte zum Beispiel bei Schmuckstücken, Ziergegenständen oder Schildern. Wir entwerfen und erstellen Beschriftungskonzepte.

Die Materialien reichen von Gold, Silber, Zinn, Messing, Stahl oder Folien, um einige Beispiele zu nennen. Viele Objekte, welche jährlich mit einem neuen, zusätzlichen Namen ergänzt werden müssen, brauchen eine besondere Sorgfalt, um jeglichen Fehler zu vermeiden.

Die Aufträge kommen von Architekten, von privaten Personen mit speziellen Anfertigungswünsche oder von Vereinen, welche eine Gravur als Geschenk verlangen. Leicht rückgängig ist die Nachfrage von Zinnkannen und Zinnbechern.

Handgravuren entstehen nach Vorlagen oder eigenen Anfertigungen. Ebenfalls in Handarbeit entstehen Reliefmodelle und Schablonen. Ein Beispiel, so entstehen Medaillen oder Münzen.

Die Maschinengravur beginnt mit dem Lesen und Interpretieren von Werkstattzeichnungen, elektronischen Daten oder Kundenentwürfen. Je nach Aufgabe und Werkstoff werden der Maschinentyp, die Schnittgeschwindigkeit, der Vorschub und die Spanntiefe bestimmt. Eingesetzt werden CNC, Laser- und Graviermaschinen. Bearbeitet werden alle geeigneten Materialien von Metallen bis zu Kunststoffen.

Bearbeitet werden bei uns auch Folienbeschriftungen wie Werbekleber, die zum Beispiel an Autos oder Vitrinen angebracht werden. Auch hier wird Kreativität verlangt, nebst dem Erstellen des Motivs, die geeigneten und neuen Materialien zu verwenden.

Ich sehe, das Arbeitsumfeld Graveur/in ist ein facettenreiches Gebiet. Haben sich während der Ausbildung favorisierte Arbeiten ergeben?

Frau Vetta meint strahlend, herausfordernde Arbeiten, die besonders spannend sind, Aufträge von Firmen, welche ein spezielles, oft kompliziertes Logo wünschen. Das wird erstmals am PC erarbeitet. Hier kann ich mein ganzes Können und die eigene Kreativität einsetzen. Mitzuerleben, dass zufriedene Kunden den Laden verlassen, freut mich jedes Mal besonders.

Neue Techniken, handwerkliche Arbeiten und Kreativität bringen eine Vielfalt in das Berufsleben an jeden Arbeitstag. So ging ich bereits während der Ausbildung jeden Tag motiviert und freudig zur Arbeit. Diese Freude an der Arbeit ist bei Frau Vetta gut spürbar und ersichtlich.

Bestehen bereits Pläne zur Weiterbildung, fragte ich weiter.

Voller Begeisterung antwortet mir Frau Vetta, ich setze mich stark ein, dass dieser Beruf erhalten bleibt. Ich versuche, Kleinbetriebe für einen Verbundvertrag zu gewinnen. Mein nächstes Ziel ist die Weiterbildung zur Ausbildnerin. Ich möchte dieses schöne Handwerk weitergeben. Dieser Beruf muss unbedingt erhalten bleiben. Es ist ein abwechslungsreicher, kreativer Beruf, den man pflegen muss. Eben ein Beruf mit Tradition, Handwerk und verbunden mit moderner Technik.

Neben den abwechslungsreichen und vielfältigen Arbeiten bleibt trotzdem noch Zeit für Hobbys?

Ja sicher, meint Frau Vetta fröhlich, diese Zeit muss man sich nehmen, die Work Life-Balance ist wichtig. Zeichnen und Malen sind weiterhin meine Favoriten. Daneben bin ich sportlich aktiv.

Frau Vetta führt mich anschliessend durch all die verschiedenen Arbeitsräume. Ein kleiner Raum wird auch als Malatelier benützt. Öfters nach Feierabend entstehen dort wahre Kunstwerke von Frau Farmakis und Frau Vetta. Die Vielfalt an Materialien, Maschinen und Werkzeugen ist enorm. Auch dies gehört zum Aufgabengebiet von Gravuren, die fachgerechte Pflege und Instanthaltung von Werkzeugen und Maschinen.

Wir danken Frau Vetta herzlichst für die lebhafte Vorstellung des Berufes und die ebenso interessante Führung durch die Werkräume.

Die Freude und Begeisterung an ihren Tätigkeiten war durch das ganze Gespräch spürbar. Wir wünschen ihr weiterhin viel Erfolg sowohl in der beruflichen Karriere und dem privaten Lebensweg.

Wir wissen nun, wieviel Arbeit hinter jedem Schild, Logo oder Monogramm steht, und sehen uns die Arbeiten in Zukunft vertiefter an.

 

Charlotte Rothenbühler