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Berufsvorstellung bei Herrn Huber Hufschmiede in Linden

Ich traf Noel Meister an seinem Ausbildungsort in Linden bei der Firma Hufbeschlag Benedikt Huber, Schmid- und Hufschmidmeister. Es ist ein Einmannbetrieb mit Lehrling. Herr Huber schloss seine Ausbildung als Schmid im Jahr 2000 ab und ein Jahr später als Hufschmid. Er setzte seine Weiterbildung fort. Im 2005 bestand er die Prüfung als Qualifizierter Hufschmid und im 2008 war es die Qualifikation der Meisterprüfung. Seit 2010 ist Herr Huber selbständig und zwei Jahre später übernahm er die Aufgabe Lernende auszubilden.
Herr Huber ist mit Monika verheiratet und Vater von zwei Kindern. (Amèlie 4 Jahre, und Noah 1 Jahr alt.)

Schon seit vielen Jahren sind Pferde treue Begleiter des Menschen. Pferde zogen die Karren der Händler, die Pflüge der Bauern und die Postkutschen.
Heute im Zeitalter der Autos und Maschinen erfreuen sich immer mehr Menschen am Reitsport. Der Kontakt mit Pferden kann auch heilende Wirkung haben.
Wissen wir was alles zur Pflege dazugehört, dass Pferde immer gut zu Fuss sind und welches Wissen es braucht? Alle sechs bis acht Wochen sollte die Hufeisen abgenommen werden und die Hufe ausgeschnitten werden.
Der Hufbeschlag erfordert eine gute Aus- und Weiterbildung und verlangt grosses handwerkliches Geschick.

Als erstes war ich neugierig, war es bei der Berufswahl der Wunschberuf und was war die Motivation diese Ausbildung zu wählen?
Noël Meister antwortete spontan und mit herzlicher Freude: „Ich liebe Tiere, ich reite und ich arbeite gerne mit Metall. Wichtig war mir auch handwerkliche Tätigkeiten auszuüben und möglichst viel ausserhalb einer Werkstatt zu arbeiten. Es ist ein cooler Beruf und macht mir richtig Spass. Ich kann sagen es war meine erste Wahl.“, betont Noël Meister voller Begeisterung die gut spürbar war.

„Wie schwierig ist es eine Lehrstelle zu finden?“, war meine nächste Frage.
„Das Angebot an Lehrstellen ist eher gering. Viele kleinere Betriebe können diese Ausbildung nicht anbieten. Der Hufschmied beschlägt heute nicht nur vier Hufe. Viele Faktoren spielen eine Rolle bei der Auswahl des Beschlags. Zum Beispiel die Nutzung des Pferdes und anatomische Besonderheiten. Wichtig ist auch die Kundschaft zu beraten zu den Themen tiergerechte Haltung, Fütterung, Pflege und Vorbeugungen gegen Erkrankungen, um einige Beispiele zu nennen. Ich hatte Glück, ich war hier bei Herrn Huber in der Schnupperlehre, bekam einen Wochenplatz und wurde nach der obligatorischen Schule als Lernender aufgenommen.“

„Wo wird die Berufsfachschule besucht?“, fragte ich nach.
„Alle deutsch- und italienischsprechenden Lernenden besuchen während der vierjährigen Ausbildung einmal wöchentlich die Schule in Olten. Die französisch sprechenden Lernenden besuchen diese in Lausanne.
Die Hauptfächer sind:
Hippologie: das Gebiet umfasst die gesamte Gesundheit und Erkrankungen der Pferde, Pferderassen und den Einsatz und die Verwendung der Pferde
Grundlagen betrieblich: Verhaltensregeln, Arbeitsplatz, Kundenbeziehung, Vorschriften
Grundlagen technisch: Rechnen, Physik, Stoffe (chemische Grundlagen, Toxikologie/Umweltschutz),  Darstellungen (Handskizzen, Zeichnungslesen),
Hufschmidtechnik: Fertigungstechnik, Beschlagtechnik, Hufpflege, alternativer Hufschutz
Dazu kommen die Allgemeinbildung und der Sportunterricht.  
Die überbetrieblichen Kurse werden an verschiedenen Orten besucht. Die ersten drei Kurse dauern je 15 Tage, der letzte Kurs noch 5 Tage.
Der erste Kurs findet in Effretikon statt. Der zweite und vierte Kurs in Aarberg und der dritte Kurs absolvieren wir in Sand Bern (Schönbühl).
Vermittelt werden das praktische Erlernen und Üben der beruflichen Grundlagen. Dazu gehört auch die Arbeitssicherheit und Kundenberatung.“


 
„Kann alles in einem Betrieb angeboten werden oder braucht es einen Verbund?“, hat mich nun interessiert.
„Bei Herrn Huber erhalte ich alle erforderlichen Berufskenntnisse. Für speziell aufwendige Arbeiten schliesst man sich auf freiwilliger Basis zusammen. Dem Lernenden bringt es einen Einblick in eine andere Werkstatt, für den ausbildenden Hufschmied ist es eine Zeitersparnis.“
Die Weiterbildungsmöglichkeiten sind:
Qualifizierter Hufschmied; was zur Berechtigung für die Lehrlingsausbildung führt, sowie die Meisterprüfung. Ausserdem kann man sich speziell Weiterbilden für verschiedenen Pferdesportarten, um einige Beispiele zu nennen, Springreiten, Dressurreiten und Gangpferde.
Je nach Pferdesportart ist die Wahl der Hufeisen, Stollen und Stiften reglementiert.

„Wie finden sie die Aufteilung der drei Bildungsorte?“, wollte ich von Noël Meister wissen.
Da kam die Antwort spontan: „Ich finde das System eine ideale Lösung. Überall kann Wissen und neue Erkenntnisse erworben werden. Im überbetrieblichen Kurs ist auch der Kontakt mit Mitlernenden wertvoll.
Dass die Berufsfachschule wöchentlich stattfindet ist ein Vorteil gegenüber dem Blockunterricht. Somit bleibt mehr Gelegenheit die praktischen Arbeiten im Betrieb zu erlernen und zu vertiefen.“
„Wie würden Sie jemanden mit wenigen Kentnissen über den Beruf erklären was die  Haupttätigkeiten eines Hufschmieds sind?“
Da braucht sich Noël Meister nicht lange zu besinnen. Fröhlich und spontan kam die Antwort: „Als erstes wird das alte Hufeisen entfernt. Danach erfolgt das Pflegen der Huf und das Putzen der Sohle. Dabei schneidet der Hufschmied den Huf in die korrekte Form, je nach individuellen Bedürfnissen des Pferdes. Das neue Hufeisen wird vorbereitet und an den Huf angepasst. Jeder Huf ist anders – sodass jedes Hufeisen individuell anzupassen ist. Das ist abhängig nach Pferdetyp, Gangart, Einsatz und Verwendung des Tieres (Freizeit, Sport oder Arbeitstier). Im Pferdesport werden Spezialhufeisen in verschiedensten Formen und Gewichten verwendet, um bestimmte Effekte im Ablauf vom Auffussen über das Abrollen bis zum Abfussen zu erreichen. Rennpferde werden mit besonders leichten Eisen (meist Aluminium oder Carbon) beschlagen, während Arbeitspferde beständige Hufeisen benötigen. Danach erfolgt das Aufnageln.
Die Spitzen der Nägel treten an den Hufwänden wieder hervor und werden vernietet. Der Hufschmied prüft die Tiere auf Krankheit und Verletzungen. Insbesondere auf erkrankte Hufen und fehlerhafte Gangarten. Beim Letztgenannten werden spezielle Beschläge angefertigt. Die Hufen müssen gut gepflegt werden damit das Horn, die darunterliegenden Strukturen wie Knochen, Gelenke und Sehnen nicht geschädigt werden.“

Ich sehe, es braucht ein vielfältiges Wissen und Können in diesem Beruf. Nebst dem Handwerklichen braucht es auch Kenntnisse in der Anatomie, Physiologie, Biomechanik und Therapieformen der Equiden.  
„Sie sind im 1. Lehrjahr, haben sich schon favorisierte Arbeiten ergeben?“
„Ja, sicher!“, meint Noël Meister strahlend. „Am liebsten beschlage ich die Hufe zu und schneide sie aus. Das Nieten mache ich nicht ungern, aber es ist körperlich anstrengend. Man muss für einige Zeit in derselben Stellung sein, was ermüdend ist.“

„Wie sieht es mit den Arbeitszeiten aus?“
„Das kann ziemlich unterschiedlich sein“, meint Noël Meister. „Wir arbeiten meistens auswärts, wir gehen zum Kunden. Natürlich versuchen wir eine Norm einzuhalten, aber jedes Pferd ist anders. Bei Hufen die zuweilen Schäden aufweisen und schwer zu beschlagen sind, braucht es etwas mehr Zeit. Junge Pferde sind meistens nervös und unruhig, was das Beschlagen erschwert. Hier braucht es zusätzliche Vorsicht und Geduld. Somit sind die Arbeitszeiten nicht immer abzuschätzen. Das Wohl der Tiere hat immer Vorrang.
Bei einem Concour kann es auch sein, dass man am Wochenende im Einsatz ist.    Für mich ist das kein Problem, im Gegenteil es macht den Beruf noch facettenreicher. Zudem bin ich gerne draussen, geniesse es aber auch an einem Werktag frei zu haben um die Überzeit zu kompensieren.“

„Noch geht es eine Weile bis zum Lehrabschluss, bestehen trotzdem schon Weiterbildungspläne?“
Noël Meister meint: „Vorerst arbeite ich auf einen erfolgreichen Abschluss hin und anschliessend will ich Berufserfahrungen sammeln. Der nächste Schritt wird die Ausbildung zum Qualifizierten Hufschmied sein. Mein Wissen an Lernende weiterzugeben finde ich eine gute Sache.“

„Täglich Neues erlernen und öfters unterwegs zu Kundschaft, bleibt dennoch Zeit für Hobbys?“
„Sicher!“, meint Noël Meister strahlend, „das muss sein. Am Samstag habe ich Reitstunden, daneben sind es so die üblichen sportlichen Tätigkeiten. Im Winter fahre ich gerne Snowboard.“

Wir danken Noël Meister herzlich für das interessante, lebhafte Gespräch.
Wir wünschen ihm weiterhin diese Freude bei seinen Tätigkeiten und der Ausbildung.
Dass er voller Begeisterung ist, merkte man durch das ganze Gespräch.
Hobbyreiter/innen wissen nun wie viel Arbeit zum Wohl des Tieres nötig ist.
Für alle andern ist das Wissen ebenso spannend. Auch ich freute mich über das neu erworbene Wissen, welches uns Noël Meister näher brachte.



Charlotte Rothenbühler