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Gespräch bei Häsler & Partner AG in Thun zum Beruf Zeichner/in EFZ Fachrichtung Innenarchitektur

Als erstes herzlichen Dank an Herr Häsler, Geschäfts und Projektleiter der Firma, für die spontane Zusage und den netten Empfang. Ebenso einen lieben Dank an Frau Alessandra Zürcher, Zeichnerin Innenarchitektur,  dass Sie sich die Zeit genommen hat uns den Beruf vorzustellen. Wir freuen uns immer wieder, Berufe vorzustellen die noch nicht so bekannt sind.
Die Fachrichtung Innenarchitektur besteht erst seit dem Jahr 2010. Früher war dies der Innenausbauzeichner.

Das Planungsbüro für innenarchitektonische Belangen wurde 1985 gegründet. Das erfahrene Team betreut seit Jahren erfolgreich Umbau- und Neubauprojekte. Die Umfassende Projektabwicklung beginnt bei der Konzeptplanung und umfasst neben der Ausführungsplanung auch die Bauleitung während der Bauphase.
Die Kernkompetenzen sind: Gesundheitsbereiche (alles von Arztpraxen bis zu Spitälern und Operationssälen), Privatausbauten, Geschäfts- und Büroräume und die Gastronomie.
Das Büro befindet sich in Thun, Kanton Bern – die Kundschaft kommt jedoch aus der ganzen Schweiz.

 

Herr Häsler, Geschäfts und Projektleiter der Firma Häsler & Partner AG

 

Frau Alessandra Zürcher, Zeichnerin Innenarchitektur

Gespräch mit Frau Zürcher Zeichnerin Innenarchitektur
Als erstes war ich natürlich neugierig, ob der Beruf bereits während der Schulzeit das Wunschziel war?
Frau Zürcher antwortet freudig: «Es war meine zweite Ausbildung. Ich wählte nach der obligatorischen Schule die Berufsrichtung Tierpflegerin Zoo und Wildtier. Schon als Kind hatte ich einen grossen Bezug zu Tieren. Im Tierspital Bern und im Zoologischen Garten Basel als Praktikumsort, habe ich diese Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Es waren interessante Jahre. Nach der Ausbildung merkte ich jedoch schnell, dass die Stellensuche und die Weiterbildungsmöglichkeiten in der Schweiz gering sind. Deshalb überlegte ich mir welche Tätigkeiten würden mich im Weiteren interessieren. Ich erkundigte mich für eine Schnupperlehre als Zeichnerin EFZ Fachrichtung Innenarchitektur bei der Firma Häsler und Partner AG und bewarb mich anschliessend. Ich war sofort fasziniert von den abwechslungsreichen Tätigkeiten und den vielen Möglichkeiten. Der Beruf war mir bis zu dieser Zeit nicht bekannt. Erstmals wurden in der Firma Lernende in dieser Fachrichtung ausgebildet. Umso mehr freute ich mich hier einen Lehrvertrag unterschreiben zu dürfen. Vor zwei Jahren habe ich erfolgreich abgeschlossen und darf sagen meinen Wunschberuf gefunden zu haben», meint Frau Zürcher strahlend. Das dem so ist, war während dem ganzen Gespräch sichtbar.   
Meine nächste Frage betraf die Ausbildung heute und das Interesse an diesem Beruf. Der neu erstellte Bildungsplan für die Fachrichtung Innenarchitektur ent-
stand erst  im Jahr  2010.  Aufgeteilt ist der Beruf Zeichner/in EFZ in fünf Fachgebiete:

  • Fachrichtung Architektur
  • Fachrichtung Ingenieurbau
  • Fachrichtung Innenarchitektur
  • Fachrichtung Landschaftsarchitektur
  • Fachrichtung Raumplanung


«Wie sieht es mit Lehrstellen und der Nachfrage der Fachrichtung Innenarchitektur aus? «
Frau Zürcher erklärt mir, dass dies regional sehr verschieden ist. «Die Nachfrage ist gross, leider fehlt es an Lehrstellen. Hier in der Region Thun und rund um Bern gibt es momentan nur 4 Lehrstellen. Ich setze mich sehr ein und versuche Architektenbüros zu animieren Ausbildungsplätze zu schaffen. Es liegt sicher auch daran, dass die Fachrichtung noch nicht genügend bekannt ist. Die Vollzeitlehre dauert 4 Jahre. Für Quereinsteiger 3 Jahre und für verwandte Beruf, zum Beispiel Schreiner, noch 2 Jahre.»

«Wo werden die Berufsfachschule und die überbetrieblichen Kurse besucht?»
Frau Zürcher antwortet, dass die einzige deutschsprachige Berufsfachschule in Lenzburg ist und als Tagesschule besucht wird. Hier werden auch die üK`s durchgeführt. Die Berufsfachschule und die üK`s werden getrennt für alle fünf Fachrichtungen geführt.
Die Hauptfächer sind:

  • Mathematische und naturwissenschaftliche Grundlagen
  • Planung
  • Materialien
  • Visualisierung
  • Projektarbeit

Während der Grundbildung kann die Berufsmaturitätsschule besucht werden.
Die überbetrieblichen Kurse, während dem 1. bis zum 3.Lehrjahres, behandeln spezifische Themen.



«Sind auch Praktikumsaustausch Plätze nötig?»
«Hier bei Häsler & Partner AG kann die vollständige Ausbildung angeboten werden. Auf Herrn Häslers und meinen Wunsch durfte ich ein Praktikum in einer Schreinerei absolvieren. Diese Gelegenheit habe ich sehr geschätzt. Mit dem Material zu arbeiten bringt einiges an neuen Kenntnissen. Was auf dem Papier problemlos machbar ist, funktioniert oft schwieriger in der Praxis. Zum Beispiel Holz, es ist ein Naturprodukt und ein lebendes Material. Das ist ein wichtiger Punkt, der bei der Planung zu beachten ist.»

«Finden sie die Ausbildung, Lehrbetrieb, Berufsfachschule und überbetrieblichen Kurse ideal?», fragte ich nach.
«Ich schätze die Aufteilung sehr», sagt Frau Zürcher. «Überall kann neues Wissen erworben werden. Während den üK`s ist man mit Mitlernenden zusammen und profitiert zusätzlich dank dem Erfahrungsaustausch und der gegenseitigen Hilfeleistungen. Gleichzeitig fördert es den Zusammenhalt durch das gemeinsame Zusammensein für einige Tage.»
«Was sind die Weiterbildungsmöglichkeiten?» war meine nächste Frage.
«Da bietet sich eine breite Palette von interessanten Angeboten. Einige Beispiele: Lichtplaner, Farbdesigner, dip. Bauleiter/in Hochbau oder Tiefbau (HFP), Techniker/in mit Fachrichtung Innenarchitektur (HF) bis zur(FH).Gleichzeitig bietet der Verband LVBZ Berufsspezifische Kurse an.»

Nach all den Ausführungen zur Theorie interessierten mich jetzt die Haupttätigkeiten, in dieser relativ jungen Berufsausbildung.
Frau Zürcher zählt die wichtigsten auf: «Zeichner/in erarbeiten Entwürfe zur Innengestaltung, vorwiegend bei Umbauten, dazu gehört auch die Materialwahl, das überwachen der Ausführung sowie dem Einholen von Offerten und den Abrechnen der ausgeführten Arbeiten.
Im Speziellen machen wir Aufnahmen an bestehenden Bauwerken und werten diese aus. Es werden Gestaltungsvorschläge er-
arbeitet, Projekte und Werkpläne für Arbeiten aller Art, Arbeitsbeschriebe und Materiallisten mit den entsprechenden Hinweisen erstellt. Schliesslich organisiert und überwachen wir den Bauablauf.
Wichtig ist über genügende Materialkenntnisse zu verfügen, das betrifft, Art, Herkunft, Bezugsort, Eigenschaften von Hölzern, Kunststoffplatten und -Folien, Gläsern, Textilien, Boden- und Wandbeläge, um einige Beispiele zu erwähnen. Wichtig ist es auch die Normen zu kennen.»

«Sicher haben sich bereits während der Ausbildung favorisierte Arbeiten herauskristallisiert?»
Spontan meint Frau Zürcher lachend: «Oh ja, die waren schnell vorhanden. Ich freue mich besonders bei Privatumbauten, Arztpraxis/Spitäler, wo die Hygiene Vorschriften besonders zu beachten sind, der Materialienzusammenstellung, ein Entwurfskonzept zu gestalten, oder aber auch bei den Baustellenbesuchen schätze ich die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Fachpersonen.  
Ab und zu gibt es natürlich auch Tätigkeiten welche weniger interessant sind, nicht aber weniger wichtig, wie zum Beispiel Massenaufnahmen oder Rechnungskontrollen. Es gehört einfach dazu.»
«Was sollen Schüler, Schülerinnen nebst Freude am Gestalten von Räumen mitbringen wenn sie diese Ausbildung wählen?»  
«Wichtig ist Freude am technischen Zeichnen von Hand und am PC, guter Farben- und Formensinn, gutes räumliches Vorstellungsvermögen und Kontaktfreudigkeit. Ein weiterer wichtiger Punkt sind Sprachkenntnisse.»
«Sie haben zwei Ausbildungen erfolgreich abgeschlossen und den Berufsbildner Kurs, denken sie trotzdem noch an Weiterbildung mit Abschluss?»
«Momentan geniesse ich es mein Wissen und Können anzuwenden und zu vertiefen.
Ich habe auch die Verantwortung über unsere Lernenden übernommen. Nicht ausgeschlossen ist es aber, dass ich später doch noch ein Studium absolviere.»
«Stets eine abwechslungsreiche Tätigkeit, öfters auch draussen, bleibt da noch Zeit für Hobbys?»
Da braucht sich Frau Zürcher nicht lange zu besinnen und meint fröhlich: «Dieser Ausgleich ist für mich sehr wichtig. Ich bin auf dem Land aufgewachsen und hatte besonders einen Bezug zu Pferden. Daran hat sich nichts geändert. Ich erhole mich bestens beim Reiten. Allgemein halte ich mich vorzugsweise in der Natur auf. Eine Wanderung, gerne auch in den Bergen, geniesse ich sehr. Es gibt Tage, wo man bis zu 95% PC Arbeiten erledigt, da ist eine Balance in der Freizeit nötig und wichtig.»

Wir danken Frau Zürcher herzlichst für das offene, interessante Gespräch. Wir wissen nun wie viel Kreativität und Wissen es braucht um einen Umbau für den Kunden zufriedenstellend zu gestalten und wie viele Details zu berücksichtigen sind.
Farben und Materialien sind ein wichtiger Bestandteil einer gelungenen Umbauung.
Wir wünschen Frau Zürcher weiterhin diese Freude im Beruf und alles Gute im beruflichen und privaten Bereich.     


Charlotte Rothenbühler