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Besuch bei der Schule für Holzbildhauerei Brienz

Herr Flück, Schulleiter, stellt uns die Schule vor und Lernende stellen uns die Ausbildung Holzbildhauer/-in EFZ vor.

Herzlichen Dank an Herrn Flück für die spontane Zusage und den netten Empfang.
Frau Schär, Frau Peter und Frau Tschümperlin erzählen uns aus dem Alltag während der Ausbildung.
Allen einen herzlichen Dank, dass sie sich bereit erklärt haben meine Fragen zu beantworten und uns über die Ausbildung zum Beruf Holzbildhauer/-in EFZ zu erzählen.

Die Schule für Holzbildhauerei ist heute die einzige Institution in der Schweiz, in der das Holzbildhauerhandwerk erlernt werden kann. Sie bietet eine Symbiose zwischen bodenständigem Handwerk und Kunst, zwischen Tradition und Moderne.
Holz ist überall als Kunsthandwerk ersichtlich, wenn man sich der Schule nähert. Selbst die Parkplätze sind in dekorativen Holzschildern beschriftet.

Zuerst aber einiges an interessanten Details der Geschichte und der Entstehung der Schule für Holzbildhauerei Brienz.
Die Brienzer Holzschnitzerei ist eine 200-jährige Tradition. Im Jahr 1826 erhielten junge Brienzer Schnitzer an der Handwerkerschule Bern Unterricht zum künstlerischen Zeichnen und Modellieren.

1884 war die Gründung der «Schnitzlerschule Brienz». Seit 1928 ist sie eine Fachschule und Lehrwerkstatt des Kantons Bern und bietet heute 24 Ausbildungsplätze für Holzbildhauerinnen und Holzbildhauer an.
Wegen Platzproblemen durch ständige grössere Schülerzahl wurde 1897 ein Neubau bezogen der 1951 ausgebaut werden musste. Die Berufsfachschule ist der einzige Schulstandort in der Schweiz für die kunsthandwerklichen Berufe in Holzbildhauerei, Holzhandwerk, (Fachrichtung Drechslerei und Weissküferei), Korb- und Flechtwerkgestaltung sowie Küferei.

Unterrichtet werden an der Schule für Holzbildhauerei Brienz die berufskundlichen Fächer der alllgemeinbildende Unterricht und die überbetrieblichen Kurse.
Am 7. November 2014 feierte die «Schnätzi», wie sie noch ab und zu genannt wird, das 130-jährige Jubiläum. Es war auch die Einweihung der Erweiterung und Sanierung des Schulgebäudes. Ein zentrales Element birgt der unterirdische gebaute Kulturgüterschutzraum. Hier werden Modelle, Zeichnungen und Original-
objekte aufbewahrt. Die Sammlung umfasst über 3200 Skulpturen und Gipsauszüge, mehr als 6500 Zeichnungen sowie rund 5000 Fotos, alles Originale.
Daneben wird eine reichhaltige Dokumentation mit Entwürfen beheimatet.
«Früher waren diese Dokumente im Dachstock eingelagert», erzählt mir Herr Flück.
Wie leicht hätten diese wertvollen Objekte und Dokumente zerstört werden können, zum Beispiel bei einem Brand.

Bei einem Rundgang zeigt mir Herr Flück die Aufteilung der Räumlichkeiten. Nebst ihrem eigenen Arbeitsplätzen, stehen den Lernenden folgende Arbeitsräume zur Verfügung:
Die Werkstatt mit allen nötigen Maschinen wie, Band- oder Motorsäge, eine kombinierte Holzbearbeitungsmaschine und Bohrmaschinen. In einem weiteren Raum steht alles Material bereit zur Herstellung der gewünschten Modelle, sei dies aus Plastilin, Ton oder Gips. Reserviert ist ein Raum für die Oberflächenbehandlungen. Hier wird mit Beize, Lacken, Farbe, Öl oder Wachs gearbeitet.

Zurück im Büro beantwortet mir Herr Flück Fragen zur Ausbildung.
Während der vierjährigen Lehrzeit werden umfassende Kenntnisse in der Schnitztechnik erworben, verteilt auf die Sparten Mensch, Tier und Ornament.

Das Modellieren wird für das Entwerfen von figürlichen Arbeiten von Grund auf erlernt. Mit verschiedenen Giesstechniken werden die Plastiken abgegossen. Im Zeichnen werden Techniken von der einfachen ersten Skizze bis zur kolorierten Kundenzeichnung vermittelt.

Die überbetrieblichen Kurse (ÜK) dienen der Vervollständigung der Ausbildung. Sie beinhalten folgende Fachgebiete: Maschinenkurse und Kettensägekurs (Anwendung und Sicherheit), Ober-
flächenbehandlung und Giesstechnik.

Es hat mich interessiert was die berufsbezogenen Fächer sind.
Es handelt sich dabei um folgende Fächer:

  • Werkstattarbeiten: diese umfassen die handwerklichen Grundlagen der Schnitttechniken, Freihandzeichnen, Modellieren, Oberflächenbehandlung und das Arbeiten mit Maschinen.
  • Berufskundlicher Unterricht: durchgeführt wird dieser in Blockkursen von je 8 Wochen pro Lehrjahr.
  • Die Hauptfächer sind Auftrag, Administration und Fertigung.

«Unsere Schule bietet die vollständige Ausbildung hier im Haus an, das heisst auch die üK`s werden hier im Haus durchgeführt. Der Allgemeinbildende Unterricht (ABU) wird gemeinsam mit den Lernenden der Geigenbauschule durchgeführt.
Spezielle Fächer werden durch externe Fachlehrer vermittelt. Unsere Schule arbeitet mit der Berufsfachschule in Interlaken zusammen. Bestimmte Fächer vermitteln Fachlehrer aus Interlaken indem sie wöchentlich nach Brienz kommen.»
«Wie sieht es mit Interessenten für die Ausbildung aus, wo wird auf diese Lehre hingewiesen?» fragte ich weiter. «Erstaunlicherweise ist der Beruf gefragt», sagt Herr Flück. «Oft sind es Personen die bereits eine Berufslehre absolviert haben. Wir stellen uns an Messen vor, BAM, BEA, EHB. Interessierte Personen können uns bei den praktischen Arbeiten zusehen und ihre Fragen können wir so direkt beantworten. Wir werden uns auch wieder an der SwissSkills in Bern beteiligen.
Zudem steht unser Atelier hier in Brienz für Besucher offen. Es ist eine Gelegenheit sich näher zu informieren und die Arbeit hinter der »Schnitzlerkunst» zu sehen.»

«Welche Voraussetzungen sind neben handwerklichem Geschick nötig um diesen Beruf zu erlernen?»
«Wichtig sind natürlich Sinn für Gestaltung, Formen, Zeichnen, gutes Beobachten räumliches Vorstellungsvermögen, Geduld und Ausdauer.
Der Aufnahmeprüfung gehen obligatorische Schnuppertage voraus.»

Holzbildhauer/-in EFZ Ausbildung in der Schule Brienz :

Gespräche mit Lernenden im 3. Lehrjahr
Gespräch mit Monika Schär

Monika Schär


Es ist die Erstausbildung von Monika Schär. «Eigentlich wollte ich Tiermedizinische Praxisassistentin lernen», sagt die Lernende. «Ich fand nach Schulabschluss jedoch keine Lehrstelle in meiner Umgebung.
Meine Eltern ermunterten mich einen gestalterischen Beruf zu suchen. Auf der Berufsmesse in Bern, sah ich mich um und nahm ein Prospekt der Berufsschule Brienz, Holzbildhauer/ -in EFZ mit, ohne jedoch mit einem konkreten Beschluss diese  Ausbildung zu wählen. Nachdem ich mir die Ausbildungsziele genauer angesehen hatte, wurde ich plötzlich neugierig und meldete mich für einen Schnupperkurs an. Die vielseitigen Arbeitsgebiete haben sofort mein Interesse geweckt. Nun gab es für mich keinen Zweifel mehr, welche berufliche Ausbildung ich in Angriff nehmen wollte. Ich wusste, das ist genau das Richtige für mich, ich war voll überzeugt.
Kurzerhand meldete ich mich für die Aufnahmeprüfung an und bestand sie, worüber ich mich sehr freute.»

«Was war die Motivation, da es doch einiges an Eigenkreativität erfordert und handwerkliches Geschick, welche nicht einfach so erlernbar sind?»
«Genau diese handwerklichen Tätigkeiten und der seltene Beruf waren es, was mich faszinierte. Etwas herzustellen was einmalig ist und meine Ideen in ein Kunstwerk umzuwandeln,» erzählt mir Monika Schär mit viel Begeisterung.
Die ganze Ausbildung bringt viel Abwechslung: Jedes Lehrjahr beinhaltet zwei Schwerpunktthemen.
«Als erstes lernten wir die Eigenschaft des Holzes kennen. Nicht weniger wichtig sind die Kenntnisse über das Werkzeug. Es benötigt nebst Schreinerwerkzeug eine grosse Auswahl an Flach- und Hohleisen, Schnitzmesser und Feilen. Der Umgang mit den Maschinen muss auch geübt werden.»
Schon im zweiten Lehrjahr arbeitet man möglichst selbständig, das bedeutet von der Materialwahl, der Zeichnung bis zur Fertigstellung des Objekts. «In diesem Jahr habe ich die Themen Mensch und Ornament. Im letzten Jahr werden einerseits Wunschthemen bearbeitet und Wiederholungen durchgeführt, das dient als Prüfungsvorbereitung. Anfangs des vierten Lehrjahres führen die Lernenden ihre Projektarbeit durch. Das Thema dazu ist gegeben, den restlichen Teil muss selbständig erarbeitet werden. Hier sind Eigenkreativität wichtig und das erlernte Können kann nun unter Beweis gestellt werden.
Meine jetzige Arbeit ist ein Eigenentwurf; ein Spiegelrahmen verziert mit Rosen, das gehört in den Bereich Ornament. Als erstes wird eine Skizze, welche als Vorlage dient, erstellt. Dieser Entwurf wird anschließend weiterentwickelt bis zum Endergebnis.»
«Was sind die Weiterbildungsmöglichkeiten?» fragte ich als nächstes.
«Ein mögliches Gebiet sind Restaurationen», antwortet mir Monika Schär. «Man muss sich mit der antiken Schnitzerei aus den verschiedenen Jahrhunderten befassen und diese auffrischen und reparieren können.»
Die höhere Berufsbildung befindet sich im Aufbau. HF Produktedesign ist im am Entstehen, die HFP (Holzbildhauer-Meister) wurde seit rund 20 Jahren nicht mehr durchgeführt.
«Von Haupttätigkeiten kann man bei diesem Beruf wohl nicht sprechen?»
«Ein großer Teil der Tätigkeiten besteht aus Zeichnen, den gewünschten Gegenstand aus Plastilin entwerfen und eine Kopie in Gips zu gießen. Erst danach kann die Schnitzarbeit beginnen.» erklärt mir Frau Schär.
«Haben sich schon bevorzugte Arbeiten gebildet?» fragte ich.
«Ich gehe bei allen Schnitzarbeiten mit Freude an die Arbeit,» antwortet mir Monika Schär strahlend. «Aber sicher gibt es bevorzugte Arbeiten?», fragte ich nach, «falls eine Auswahl zur Verfügung steht.»
«Dann würde ich Tierfiguren und Ornamente wählen» meint die Lernende freudig. »Etwas weniger liegen mir die Menschenfiguren.»

«Bleibt trotz dem Erlernen all dieser vielfältigen Arbeiten und dem Schulstoff noch Zeit für Hobbys?»
«Da musste ich mich schon ein wenig einschränken. Seit meiner Kindheit, welche ich auf einem Bauernhof verbringen durfte, liebe ich Pferde über alles.
Wenn ich das Wochenende zu Hause verbringe, freue ich mich auf lange Ausritte. Neu bin ich in einem Jodlerklub, hier in Brienz, aufgenommen worden, in dem wir wöchentlich an einem Abend proben.»
Wir danken Monika Schär herzlich für das interessante, offene Gespräch das uns einen Einblick in die vielseitigen Möglichkeiten in diesem Berufsbereich aufzeigt.
Wir wünschen ihr weiterhin diese Freude an den Tätigkeiten und viel Erfolg im beruflichen und privaten Lebensbereich.

Gespräch mit Anita Peter

Anita Peter

 

Für Frau Peter ist es die Zweitausbildung. Nun war ich neugierig, ob der vorgehende Beruf bereits in die Kunstrichtung ging?
«Nein, ich absolvierte nach der Sekundarschule eine KV-Lehre und später die einjährige Vollzeit-Berufsmatur. Ich strebte eine Ausbildung im gestalterischen Bereich an und besuchte mit viel Freude und kreativem Tatendrang den Vorkurs an der Hochschule für Kunst und Design in Luzern. Jedoch fehlte mir nach diesem Jahr die Überzeugung, mich für ein weiterführendes Studium zu bewerben, viel lieber wollte ich von Grund auf ein Handwerk erlernen. Schliesslich kehrte ich nochmals in den kaufmännischen Beruf zurück und arbeitete einige Jahre im Marketingbereich. Doch der Wunsch, vermehrt die Hände zum Einsatz zu bringen, den Schreibtisch gegen die Werkbank zu tauschen, dreidimensional kreativ zu arbeiten, ein Handwerk mit all seinen Facetten, Techniken und Möglichkeiten von Grund auf zu erlernen, dieser Wunsch liess mich nicht los. So habe ich mich nach einer Zeit intensiver Gedanken und der 3-tätigen Schnupperlehre an der Schule für Holzbildhauerei dazu entschlossen, mich für die Ausbildung zur Holzbildhauerin zu bewerben. Und das Glück stand auf meiner Seite, den positiven Bescheid erachtete ich als Wink des Schicksals, dass es wohl der richtige Weg für mich sein würde.»
«Waren ihre favorisierten Tätigkeiten schon immer Gestalten und Formen?»
«Kreative Tätigkeiten, Zeichnen, Gestalten, Werken, das hat mir seit früher Kindheit immer besonders Spass gemacht. Eine besondere Vorliebe hatte ich seit jeher zu Holz, mit Metall oder Glas kann ich weniger anfangen. Holz ist natürlich, lebt und strahlt eine Wärme aus, es ist ein Material das mich voll begeistert. Das Verständnis und das Gefühl für die verschiedenen Holzverarbeitungen musste ich mir aber zuerst aneignen.»

«Haben sich schon favorisierte Tätigkeiten ergeben seit dem Ausbildungsbeginn?»
«Wenn ich eine Fachrichtung wählen müsste, dann würde ich wohl Tierfiguren vorziehen. Aber ich weiss die Vielseitigkeit der Ausbildung an dieser Schule sehr zu schätzen. Ob Tierfiguren, Ornamente oder Menschenfiguren, alle Disziplinen sind spannend und haben ihren eigenen Reiz.»

«Kann man in diesem facettenreichen Beruf überhaupt von Haupttätigkeiten sprechen?»
«Ja, da kann man schon. Viele Besucher sind jeweils darüber erstaunt, dass wir nicht ausschliesslich schnitzen. Wenn wir etwa einen Eigenentwurf umsetzen wollen, dann beginnt der Arbeitsprozess beim Zeichnen, die Idee muss erstmal auf Papier gebracht werden! Dann erstellen wir ein dreidimensionales Modell aus Plastilin oder Ton. Diese beiden Materialien sind jedoch weich und unbeständig. Deshalb giessen wir das Modell in Gips ab. Zuerst fertigen wir eine Negativform aus Baugips, dann das Positiv mit Giluform, ein hochwertiges Gips-/Kunststoffgemisch. Jetzt kann die Arbeit im Holz beginnen. Zuerst muss ein passendes Stück Holz gefunden werden, welches dann in den Grundformen maschinell grob zugeschnitten wird, bevor man dann die Arbeit mit Meissel und Hammer beginnt.»
«Welchen Holzarten bevorzugen Sie zum Schnitzen?»
«Die meist verwendete Holzart ist Lindenholz. Es ist relativ weich zu bearbeiten und regelmässig in seiner Struktur. Das Holz hat einen hellen Farbton was besonders Ornamente bestens zur Geltung bringt. Nussbaum ist härter, kann aber bei gewissen Arbeiten von Vorteil sein, etwa wenn man feine Details herausarbeiten will. Für Gegenstände, welche für den Aussenbereich bestimmt sind, verwenden wir meist Eiche oder Lärche, diese Holzarten sind wetterbeständiger.»

«Wie machen Sie die Oberflächenbehandlung?»
«Für diesen letzten Arbeitsschritt, gibt es sehr viele Möglichkeiten. Folgende Behandlungsmethoden lernen wir in einem Überbetrieblichen Kurs kennen:

  • Färben (mit wässerigen Farbstofflösungen)
  • Beizen (Veränderung der Holzfarbe durch eine chemische Reaktion)
  • Bemalen (z.B. mit Acryl- oder Ölfarben)
  • Lackieren (farbloser Überzug zum Schutz des Objekts)
  • Ölen (eine sehr natürliche Behandlung, welche die Holzstruktur hervorhebt)
  • Wachsen (etwa um einen gewissen Glanz zu erzielen)

Ob eine Figur farbig bemalt wird oder ob man lieber die natürliche Holzfarbe erhalten will und somit nur einen farblosen Überzug macht, ist oftmals eine Frage des Geschmacks, da gibt es kein richtig oder falsch.»

«Die Weiterbildung ist heute vermehrt ein Thema, welche bestehen in ihrem Beruf?»
«Es gibt z.B. die Möglichkeit, sich im sozialen Bereich weiterzubilden, etwa in Arbeitsagogik, um später Menschen im Arbeitsalltag zu begleiten, im Kreativ-Atelier einer Behindertenwerkstätte als Beispiel. Wer ein pädagogisches Studium nicht scheut, wird vielleicht Werklehrer. Einige Absolventen dieser Schule absolvierten ein Studium an einer Kunsthochschule, um später in der freien Kunst tätig zu sein. Auch die Restaurierung ist ein grosses Fachgebiet, auf das sich einige Bildhauer spezialisieren. Dann gibt es aber auch viele Möglichkeiten, sich durch Kurse oder Lehrgänge in einem Fach zu spezialisieren (z.B. Vergolden, Fotografie, Steinbildhauerei, etc.).»

«Gibt es sonst noch etwas Besonderes an Ihrer Ausbildung?»
«Etwas das ich als sehr wertvoll erachte, sind die Praktika, welche wir während der Ausbildung absolvieren. So ein Praktikum kann beim Drechsler, Lederschnitzer, Restaurator, Steinbildhauer, Fotograf, Schreiner, Vergolder, Eisskulpturenkünstler, etc. gemacht werden. Es soll einfach ein Betrieb resp. eine Arbeit sein, welche einen Bezug zur Holzbildhauerei aufweist. Jeder Schüler soll mindestens 6 Wochen Praktika absolvieren. Wir dürfen uns dabei sowohl den Betrieb, wie auch die Fachrichtung selber aussuchen, bei Bedarf werden wir aber von der Schule unterstützt. Diese Praktika bieten meines Erachtens gute Chancen, um Einblicke in andere Bereiche zu erhalten und um wertvolle Kontakte zu knüpfen.»
«Bleibt noch Zeit für Hobbys bei all den zu erlernenden Tätigkeiten und dem Schulstoff?»
«Ja, auf jeden Fall. In meiner Freizeit bewege ich mich am liebsten draussen in der Natur. Sei es bei Bergwanderungen oder in den Ferien auf einer Velo- oder Kajaktour. Gerne nehme ich mir Zeit zum Lesen oder geniesse es, das Wochenende mit Freunden oder der Familie zu verbringen.»

Wir danken Frau Anita Peter herzlichst für das interessante lebhafte Gespräch und wünschen ihr weiterhin diese Freude an den Kunsthandwerklichen Tätigkeiten. Ihre momentane Arbeit war das Erstellen eines Ornaments.

Gespräch mit Irina Tschümperlin

Irina Tschümperlin

 

Für Frau Irina Tschümperlin ist es die zweite Ausbildung.
Der erste Beruf war Technische Modellbauerin, wobei sie vorwiegend mit CAD arbeitete.
Als Technische Modellbauerin stellt man Modelle, Formen, Produktionswerkzeuge, Prototypen, Funktionsmodelle und dreidimensionale Designmodelle her. Diese Produkte werden in der Maschinen- und Kunststoffindustrie, Metallgiesserei, Medizintechnik, im Produktdesign und in anderen Industriezweigen gebraucht.
«Was hat Frau Tschümperlin bewogen eine weitere Ausbildung in Angriff zu nehmen?» war deshalb meine erste Frage.
«Bald nach der Ausbildung merkte ich, mir fehlen die handwerklichen Arbeiten, was vorwiegend mein Berufsziel war. Einen ganzen Tag am PC konnte ich mir auf längere Zeit nicht vorstellen. Ich wollte meine Kreativität mit handwerklichen Arbeiten verbinden, etwas erarbeiten was den Käufern nach dem Erwerb lange Freude bereitet. Holz ist ein Naturprodukt und jedes erstellte Objekt ein Unikat. Holz ist ein lebendes Material. Schnitzarbeiten brauchen oft Kraft aber auch sehr viel Gefühl.»
Frau Tschümperlin erzählt mir dies mit voller Begeisterung.
»Nach der Ausbildung gibt es eine Vielfalt von Produkten die wir mit unseren künstlerischen, kreativen Fähigkeiten erstellen können. Wir schnitzen Einzelanfertigungen oder auf Wunsch eine kleinere Serie. Die Auswahl reicht von Dekorationsgegenständen bis zum Gebrauchsobjekten. Eine weitere Möglichkeit ist Restaurationsarbeiten zu übernehmen.
Bei einem Auftrag von Kunden übernehmen wir von Beginn alles selber. Wir besorgen das benötigte Holz und Material und skizzieren die Form und fertigen eventuell davon ein Plastilinmodel an. Die Gegenstände werden ausgesägt oder zum Teil mit der Motorsäge bearbeitet, der restliche Teil ist reine Handarbeit. So erlebt man den Berufsalltag immer wieder neu. Genau das ist für mich faszinierend.»

«Waren Kreative Arbeiten schon immer eine bevorzugte Beschäftigung?»
«Malen, Bastelarbeiten, Werken und stets Neues ausprobieren, das waren seit je meine liebsten Freizeitbeschäftigungen», erzählt Frau Tschümperlin freudig.
«Am liebsten probierte ich mit verschiedenen Materialien und Techniken Neues aus.
Ich war immer neugierig auf das Endergebnis.
Neue Erfahrungen sammelte ich auch bei den obligatorischen Praktikas. Verteilt auf die Ausbildungszeit dauern diese 6 Wochen. Ich freute mich auf die Gelegenheiten  in verschiedene Gebiete wie Steinbildhauerei, Drechslerei und Kunstgiesserei hinein zu sehen».
«Wo nehmen sie ihre Kreativität her?»
Frau Tschümperlin muss nicht lange überlegen um mir zu antworten. «Wichtig ist, dass man gut beobachten kann, die Umgebung und die Natur bieten viel Inspiration. Hier im Haus haben wir ein grosses Archiv mit Gegenständen und Büchern. Falls notwendig, holt man sich dort seine Ideen».
«Haben sich seit Beginn der Ausbildung favorisierte Arbeiten herauskristallisiert?» fragte ich Frau Tschümperlin.
Sehr spontan, ohne zu zögern, kam auch hier die Antwort: «Mein bevorzugtes Gebiet sind Tiere, da am liebsten Vögel. Auch sehr spannend sind Menschenfiguren».

«Bleibt bei all den Arbeiten und dem stetigen Lernen noch Zeit für Hobbys?»
Frau Tschümperlin strahlt und meint, «diese Zeit nehme ich mir. Trotzdem musste, ich mich stark einschränken, so dass ich nicht mehr so oft zum Harfen spielen und Tanzen komme. Vorerst ist mir die Ausbildung am Wichtigsten, danach kann ich mich wieder intensiver meinen Freizeitbeschäftigungen widmen».

Frau Tschümperlin wir danken ihnen herzlich für das offene Gespräch. Es gibt uns einen guten Einblick in all die verschiedenen Arbeiten die hinter dem Kunsthandwerk stecken.
Wir wünschen ihnen weiterhin so viel Freude bei ihren Arbeiten und Erfolg im beruflichen und privaten Bereich.



Charlotte Rothenbühler