Laborscope durchsuchen...

Mediadaten

Download Mediadaten 2018

Laborscope das offizielle Organ des Fachverbandes für Laborberufe Schweiz.

Gespräch beim ZLI in Winterthur zum Beruf Mediamatiker/-in EFZ

Als erstes herzlichen Dank an Frau Alexandra Fröse-Lehner, Teamleiterin Basislehrjahr Mediamatik, für die spontane Zusage und  für den netten Empfang. Dieser Dank geht auch an Yara Lanz, Lernende im 4. Lehrjahr, dass sie sich bereit erklärt hat uns den noch eher jungen Beruf Mediamatiker /-in vorzustellen. Die BiVo wurde 2011 erstellt und ist seit 2014 in Kraft. Yara Lanz hat ihre Ausbildung beim ZLI in Winterthur absolviert.
Nach einem Rundgang durch das Gebäude erklärt mir Frau Fröse die Struktur des ZLI.
Der ZLI ist die kantonale OdA für die ICT Berufe. Es ist ein Verein, welcher aus Firmen- und Personenmitglieder besteht, aufgeteilt in die zwei Berufe Informatik und Mediamatik. Der Beruf Informatik besteht aus drei Fachgruppen;Applikationsentwicklung, Betriebsinformatik  und Systemtechnik.
Nebst der Verbandstätigkeit hat der ZLI vielfältige ICT Dienstleistungen im Angebot.
Sie pflegen den Kontakt mit allen Beteiligten der Ansprechgruppen und organisieren die regionalen Berufsmeisterschaften.

 

Meine erste Frage richtet sich an Frau Fröse insbesondere zum Basislehrjahr.
Ich habe gelesen, das erste von vier Lehrjahren wird von vielen Lernenden im ZLI absolviert. Die Lernenden erhalten hier eine kompakte praxisnahe Grundausbildung, wo die ÜK Module integriert sind.
«Wer rekrutiert die Lernenden?» war ich dabei neugierig geworden.
Frau Fröse erklärt mir die 3 Varianten welche vom ZLI angeboten werden.

  • Variante 1: Es besteht ein Lehrvertrag bei einem Betrieb und die Lernenden besuchen das Basislehrjahr. Die restlichen drei Lehrjahre werden definitiv im Lehrbetrieb absolviert. 
  • Variante 2: Der Lernende hat einen vierjährigen Lehrvertrag mit dem ZLI abgeschlossen. Der ZLI sucht nach dem Basislehrjahr einen Betrieb, in welchem die Berufsausbildung ab dem 2. Lehrjahr fortgesetzt werden kann.
  • Variante 3: Die Lernenden haben einen Lehrvertrag mit dem ZLI und bleiben auch für die restliche Ausbildung dort. Ab dem 2. Lehrjahr arbeiten die Lernenden in Praktikumsbetrieben. Diese Variante wird angewandt, wenn ein Betrieb die erforderlichen Anforderungen nicht vollständig erfüllen kann, aber bereit ist, etwas zur Ausbildung beizutragen. Oft sind es Firmen welche unser duales Ausbildungssystem nicht kennen oder es fehlt an Ressourcen für die Evaluierung der Interessenten/ -innen bei der Berufswahl im ICT Bereich. Der ZLI übernimmt diese Aufgabe und stellt die nötigen Lehrstellenerträge aus.

Interview mit Yara Lanz
«Der Beruf Mediamatiker/ -in ist ein junger Beruf. Haben sie sich früh mit dem Gedanken befasst diesen Beruf zu erlernen?» Das hat mich natürlich als erstes interessiert.
«Als es zur Berufswahl kam war ich noch unschlüssig. Ich interessierte mich anfänglich für eine KV- oder eine Informatik Lehre. Komplett überzeugt war ich jedoch von keiner der beiden Ausbildungen. Der Grund war, bei beiden Berufen fehlte mir die Vielfältigkeit. Ich wollte eine kreative, abwechslungsreiche Tätigkeit im Berufsalltag ausüben.
Die Berufsrichtung Mediamatiker/ -in EFZ war vor fünf Jahren noch zu wenig bekannt. Ich entschloss mich deshalb für ein Zwischenjahr. Dann bin ich auf den ZLI gestossen und hatte dort ein 1. Vorstellungsgespräch. Hier lernte ich den Beruf Mediamatiker/ -in EFZ kennen und war sofort fasziniert und voll überzeugt, dass dieser Beruf genau meinen Wunschvorstellungen entspricht. Die Abwechslung in diesem Beruf, die Vielfalt der anfallenden Arbeiten, das alles bietet ein interessantes Tätigkeitsfeld. Ich freute mich richtig auf den Lehrbeginn», erzählt Yara Lanz mit viel Begeisterung.
«An der Berufsfachschule haben wir einen halben Tag Wirtschaftskunde, ein wichtiges Fach auch in unserem Beruf. So bekomme ich doch noch einiges vom KV Beruf mit», sagt Yara Lanz lachend.
«Was waren ihre bevorzugten Fächer in der Schule?» fragte ich neugierig nach.
«Sprachen haben mein Interesse immer besonders geweckt. Nebenbei, Sprachen sind beim Beruf Mediamatiker/ -in von grosser Wichtigkeit. Kreative Tätigkeiten standen bei mir schon früh im Vordergrund», ergänzt Yara Lanz fröhlich.
 
«Wo wird die Berufsfachschule besucht und was sind die Hauptfächer?» fragte ich weiter.
«Ich besuche die Berufsfachschule in Horgen und die Überbetrieblichen Kurse sind hier im Haus.
Die Hauptfächer an der Berufsfachschule sind:

  • Multimediatechnik
  • Gestaltung und Design
  • Informatik
  • Sprachen Deutsch, Französisch und Englisch
  • Wirtschaft und Rechnungswesen
  • Marketing

Die Überbetrieblichen Kurse werden während den ersten 5 Semestern besucht, aufgeteilt in 5 Module mit folgenden Schwer-
punkten:

  • Personalcomputer in Betrieb nehmen
  • Betriebssystem und Office Suite installieren, PC mit dem Internet
  • Gestaltung und Design von Layouts
  • Werbeunterlagen( Prospekt, Flyer, Manuel) für ein Unternehmen gestalten.
  • Multimediaprodukte erstellen
  • Aufbereitung und Archivierung von Multimediadaten (Video-Audiodaten/Bild und Animationen) für die Weiterverwendung.
  • Dynamische Webseiten erstellen
  • Kleines Netzwerk aufbauenund betreiben

Die Ük`s werden in Form von Projektarbeiten durchgeführt.»

Wie findet Yara Lanz die Ausbildung an den drei Lernorten, wollte ich nun wissen?
«Ich finde es ideal», sagt mir die Lernende. «Am Ausbildungsort lernt man die Praxis, an der Berufsfachschule die dazu nötige Theorie und im ÜK werden wichtige Grundlagen und Fähigkeiten vermittelt. Das alles zusammen ermöglicht allen eine gute Grundausbildung. Der Kontakt mit Mitlernenden ist ein weiterer wichtiger Punkt. Aus gegenseitigen Erfahrungen kann man lernen.  
Die Weiterbildungsmöglichkeiten nach der Grundausbildung sind vielfältig. Es gibt viele Entwicklungs- und Zugangsmöglichkeiten zu Berufsprüfungen, Höhere Fachprüfungen, Höheren Fachschulen bis hin zum Erlangen des Bachelor of Science (FH) in Medieningenieurwesen.»

Mediamatiker/ -innen EFZ haben ein breites Arbeitsspektrum und arbeiten alleine oder im Team mit Spezialisten aus unterschiedlichen Fachbereichen.
Sie gestalten und produzieren Internetbeiträge, sie aktualisieren Webseiten von Unternehmen mit Bildern, Filmen, Musik und Sprache. Sie wirken auch im Informatik-Support mit. Dabei fertigen sie Präsentationen und Dokumentationen an.
Die breite Ausbildung in Sprachen und ihrer Kreativität bietet ihnen eine grosse Auswahl an Arbeitsstellen in allen Wirtschaftskreisen.

«Was muss ein interessierter Schüler/ Schülerin nebst Kreativität, Freude an Gestaltung und Sprachen noch mitbringen?» war eine weitere Frage an Frau Fröse.  
«Es braucht gute Leistungen in der Mathematik, technisches Verständnis, abstrakt-logisches Denkvermögen, geistige Flexibilität, Organisationstalent, Interesse für Design, Marketing und Kommunikationsfähigkeit», antwortet mir Frau Fröse.

Meine nächste Frage geht an Yara Lanz: «Wie würden Sie mir Ihre Haupttätigkeiten beschreiben?»  
«So direkt kann das nicht beantwortet werden», erklärt mir die Lernende.
«Zu den Aufgaben gehört die Aufbereitung von Internetaufträgen, Grafiken und Printmedien gestalten, Videos, Animationen erstellen, Fotografien erstellen und bearbeiten, sowie Webseiten aufbauen um einige Beispiele zu erwähnen.  
Die Aufträge kommen von intern oder von extern, zum Beispiel von Medien, Verlagshäusern, Druckereien oder von Kunden die regelmässige Aufträge erstellen.
Meinerseits habe ich während der Ausbildung hauptsächlich interne Aufträge vom ZLI erledigt.»

Ich merke, es ist eine facettenreiche Ausbildung. Auch nach der Ausbildung bietet der Beruf viele Perspektiven.
«Sie sind bald am Ende der Ausbildung, einen Teil der Abschlussprüfung fand schon statt. Haben sich während dieser Zeit favorisierte Arbeiten entwickelt?»
Yara Lanz überlegt kurz: «Eigentlich machen mir alle Aufträge und Arbeiten Freude sie beinhalten stets Neues und lassen viele gestalterische Möglichkeiten zu.
Videos zu gestalten und zu kreieren macht mir natürlich besonders Spass. Dabei kann ich meine Kreativität und mein erlerntes Wissen voll einsetzen.»
«Sicher gibt es aber auch Arbeiten die etwas weniger interessant sind?» fragte ich nach.
Wieder überlegt Yara Lanz und antwortet schliesslich: «Ab und zu gehören Routinearbeiten dazu, zum Beispiel das Erstellen der Dokumentation. Das ist nicht kreativ, muss aber erledigt werden und ist natürlich ein wichtiger Teil der Arbeit.»  
Wie schon erwähnt, Yara Lanz hat einen Teil der Abschlussprüfung absolviert. Die IPA Aufgabe war, zu einem vorgegebenen Thema, ein Video zu erstellen. Ich durfte einen Einblick nehmen, bewundern und staunen. Die Lernende zeigte mir einige der vielen Möglichkeiten, die anwendbar sind zur Erstellung eines Videos.   
«Wie kommt man jederzeit zu neuen Ideen?» fragte ich nun gespannt, «erlernbar ist das nicht.»  
Yara Lanz meint freudig, oft kommen diese ganz plötzlich, manchmal auch unterwegs oder am Abend. Man muss stets offen sein für alles Neue, lesen und beobachten. Es kann aber auch vorkommen, dass man im Moment keine Idee hat und sich erst mit dem Auftrag befassen muss. Plötzlich ist die Idee da, man kann gestalterisch aktiv werden.   

«Bald haben Sie ihre Ausbildung beendet. Die IPA haben sie bereits abgeschlossen, bestehen schon Zukunftspläne?» fragte ich nach.
«Momentan arbeite ich noch für die restlichen Prüfungsaufgaben. Danach möchte ich erst einmal etwas Geld verdienen, mein Wissen anwenden und vertiefen. Dazu gehört auch das Reisen. Ich will meine Sprachkenntnisse anwenden und erweitern. Gleichzeitig werde ich mich umsehen in welcher Richtung meine Weiterbildung geht. Ständig entstehen neue Angebote, das Berufsumfeld ändert sich schnell. Da macht es wenig Sinn, sich all zu früh für eine definitive Weiterbildung zu entscheiden.
Ich werde sehen, in welcher Form ich meine Pläne verwirklichen werde.»   

«Bleibt bei all den interessanten und anspruchsvollen Tätigkeiten nebst der   Berufsfachschule noch Zeit für Hobbys?»
«Diese musste ich zurückstecken. Ich habe einen weiten Arbeitsweg und durch die anspruchsvolle Arbeit, mit viel neuem Wissen das erlernt werden muss, fehlt mir momentan die Zeit. An erster Stelle steht für mich die Ausbildung.
Mehrere Jahre spielte ich Tennis, trainierte vier Mal pro Woche und am Wochenende spielte ich Match. Das alles kann ich später wieder aufnehmen oder ich begeistere mich vielleicht für ein neues Hobby», sagt Yara Lanz fröhlich.
Wir danken Frau Fröse und Yara Lanz herzlichst für das interessante lebhafte Gespräch. Ohne Informatik geht nichts und Informatik ist überall.
Wir freuen uns einen Einblick in den Teil Mediamatiker/ -in EFZ erhalten zu haben. Wir wissen nun bei jedem Werbevideo oder allen Printmedien wie viel Kreativität und Arbeit dahinter steckt um aus all den verschiedenen Möglichkeiten die beste Lösung zu wählen.

Wir wünschen Yara Lanz weiterhin viel Erfolg und Freude für ihre berufliche und private Zukunft. Die Begeisterung für kreatives Arbeiten und die Freude neues Wissen zu erlangen und anzuwenden, war während des ganzen Gesprächs erkennbar.



Charlotte Rothenbühler