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Interview bei der Firma Stähli Garten- gestaltung GmbH und Landschaftsbaubetrieb

Herr von Gunten, Bauführer Gartenbau HFP und Verantwortlicher für die Ausbildung, und Jana Prinz, Lernende im 3. Lehrjahr, stellen uns den Beruf Landschaftsgärtnerin / -gärtner EFZ vor und erzählen aus ihrem Alltag.

Als erstes herzlichen Dank an Herrn von Gunten für die spontane Zusage, uns einen Einblick in den Beruf zu geben und den netten Empfang.
Wetterbedingt mussten wir das Gespräch einige Male verschieben, nun freuen wir uns, dass es doch noch stattfinden konnte.
Besonders im Frühjahr stimmen uns die ersten Farben in der Natur besonders freudig. Doch genügt es, sich erst zu dieser Jahreszeit Gedanken zum gewünschten Floor im eigenen Garten zu machen?

Schauen wir aber vorerst etwas auf die Firmengründung zurück. 1967 erwarb Herr Ernst Stähli die damalige Dorfgärtnerei von Herrn Ernst Läderach und baute diese kontinuierlich zum Garten- und Landschaftsbaubetrieb aus.
Beschäftigt werden heute rund 40 Mitarbeiter und Mitarbeitende in den Berufen Gärtnermeister, gelernte Landschaftsgärtner, Grünflächenpflegespezialisten, Techniker, Bauführer und Lernende.
Seit Beginn werden in der Firma Stähli GmbH junge Menschen in der grünen Branche ausgebildet. 

 

Die Firma ist spezialisiert auf Gartenneuanlagen, - planung, -umänderungen, -bewässerung so wie auch für die Gestaltung von Sitzplätzen und Anlagen von Wasser und Steinenanlagen.
Bei einem Neubau kann eine Gartenskizze oder ein genauer Plan mit dem CAD – Zeichnungsprogramm erstellt werden.  
Auf Wunsch der Kunden wird ein ganzjähriger Gartenpflegeplan erstellt.
Die sommerlichen Abendstunden im Garten geniessen und uns wohl fühlen. Auch nach den Ferien einen grünen Rasen, prächtige Blumen und Farben vorzufinden, auch das ist möglich, dies dank einer automatischen Steuerung zur Beregnung der Pflanzen.

 

Interview mit Jana Prinz

Lange war Jana Prinz unschlüssig welchen Beruf sie erlernen will. Ein spezifischer Berufswunsch war nicht vorhanden, weshalb sie sich über verschiedene Ausbildungen informierte und Schnupperlehren absolvierte. Sie überlegte sich auch den Weg über das Gymnasium. Dabei merkte sie, dass ihr hier die Möglichkeit der gestalterischen Tätigkeiten fehle. Ihre Mutter besuchte mit ihr eine Lehrstellenmesse wovon sich Jana Prinz damals wenig erhoffte betreffend der Berufswahl. Zu viele Berufswünsche waren noch vorhanden.
«Hier bin ich auf den Gartenbau Stähli Gartengestaltung aufmerksam geworden», erzählt Jana Prinz.
«Ich war sofort fasziniert von all den Möglichkeiten in den Berufen rund um die Gartenpflege und –gestaltung. Ich meldete mich sogleich für eine Schnupperwoche an. Nach dieser Woche wusste ich sofort, diese Ausbildung entspricht genau meinen Vorstellungen.»
«Waren die Botanik und die Biologie bereits in der Schule das Lieblingsfach?» war ich nun neugierig geworden.
«Oh nein», sagt Jana Prinz fröhlich, «ich kannte nur die gängigen Pflanzen und auch diese nicht besonders gut. Erst in der Schnupperlehre merkte ich welch ein interessantes Gebiet die Pflanzen-
kunde ist. Plötzlich war ich voller Begeisterung und wollte mehr wissen über die Pflanzenwelt. Dazu noch gestalterisch zu wirken weckte mein Interesse zusätzlich.»

Eine Frage zur Berufswahl richtete ich auch an Herrn von Gunten:
«Wissen Sie noch, was damals ihre Motivation war, den Beruf Bauführer Gartenbau HFP zu erlernen?»
Spontan kam die Antwort: «Für mich stand bereits in der Schule fest, ich will einen Beruf in der Gartenpflege, -gestaltung und -unterhalt absolvieren. Wir zogen bereits während meiner Schulzeit von der Stadt auf das Land. Hier bauten meine Eltern ein Haus mit Umschwung. Begeistert half ich beim Aufbau und der Gartengestaltung mit. Ich lernte die Natur und ihren Eigenheiten während den verschiedenen Jahreszeiten kennen. Ich schätzte auch die gestalterischen Möglichkeiten. Diese Berufswahl getroffen zu haben, bereute ich nie.»

 

«Wie sieht es mit der Lehrstellen- suche aus?» war meine nächste Frage.
Jana Prinz lacht fröhlich: «Für mich war es ein Glücksfall.» Nach der Schnupperlehre durfte sie bei Gartenbau Stähli Gartengestaltung GmbH einen Lehrvertrag unterschreiben.
Herr von Gunten ergänzt: «Interessenten / Interessentinnen haben wir immer noch viele. Das Problem ist eher, dass sie den Anforderungen zur Ausbildung nicht genügen.»
«Was müssen die jungen Leute nebst dem Interesse an Pflanzen und der Biologie noch mitbringen, um erfolgreich in der Ausbildung zu sein?» hat mich als nächstes interessiert.
«Es braucht Geduld, Genauigkeit, eine gute Beobachtungsgabe, Kreativität und technisches Verständnis für die Arbeiten mit Maschinen.
Selbstverständlich ist Kraft, Beweglichkeit und eine gute Gesundheit ebenso wichtig.»
«Werden die verschiedenen Fachrichtungen an der Berufsfachschule getrennt unterrichtet und wo wird diese besucht?» war eine weitere Frage von mir.
Jana Prinz erzählt mir, dass die Ausbildung in vier Fachrichtungen aufgeteilt ist.

  • Garten und Landschaftsbau
  • Baumschule
  • Stauden
  • Zierpflanzen

«Ich besuche die Berufsfachschule in Burgdorf. Je nach Anzahl Lernende werden die Fachrichtungen getrennt unterrichtet. Es ist aber möglich, dass Garten- und Landschaftsbau mit der Fachrichtung Zierpflanzen gemeinsam die Grundfächer besuchen. In unserer Klasse sind wir 35 Lernende (und gesamt sind es 90 Lernende).

Die überbetrieblichen Kurse besuchen wir im Zentrum Oeschberg.»      
Die Berufskenntnisse umfassen die Fächer:

  • Beratung und Verkauf
  • Lieferung und Service
  • Betriebliche Unterhaltsarbeiten
  • Pflanzen und Saatarbeiten
  • Pflanzenernährung und –schutz
  • Garten- und Grünflächenpflege
  • Garten und Landschaftsbau

Erweiterte Berufskenntnisse:
Pflanzenkenntnisse und Pflanzenverwendung
Dies beinhaltet «Pflanzen erkennen und benennen». Dabei handelt es sich um 300 Pflanzen.
Es ist das Fallfach an der Abschlussprüfung, dieses Fach muss bestanden werden.



Die überbetrieblichen Kurse beinhalten:
Nebst den spezifischen praktischen Fächer auch die Unfallverhütung und der Umgang mit Maschinen und Motoren.
Durchgeführt werden diese für alle Fachrichtungen und Schulen im Ausbildungszentrum Oesch-
berg. Sie dauern jeweils 12 Tage.
«Wie findet Jana Prinz die Ausbildung an den drei Orten; Lehrbetrieb, üK`s und Berufsfachschule?» wollte ich nun wissen.
«Ich finde es eine ideale Kombination. Während den üK`s treffen wir Mitlernende aus verschiedenen Schulorten. Diese Begegnungen sind wichtig, gegenseitig tauschen wir auch unsere Erfahrungen aus, Tipps welche uns eventuell den Arbeitsalltag erleichtern. Die Berufsfachschule bringt nebst dem theoretischen Wissen eine Abwechslung in den Alltag. Besonders angenehm ist es bei schlechtem Wetter, wenn wir den ganzen Tag drinnen verbringen können.
Ich bevorzuge diese Variante, im Gegensatz zum Blockunterricht wie es in Deutschland angewandt wird. Zudem bietet es die Möglichkeit die erlernte Theorie gleich in die Praxis umzusetzen oder auftauchende Fragen mit dem Ausbildner zu besprechen.»   

Die anschliessenden Weiterbildungsmöglichkeiten sind vielfältig.

  • Berufsprüfung (OP), Obergärtner/ - mit eidg. Fachausweis
  • Höhere Fachprüfung (HFP), Gärtnermeister/ -in mit eidg. Diplom
  • Höhere Fachschule (HF), Techniker/ -in in Bauführung mit Vertiefung in Garten- und Landschaftsbau 
  • Landschaftslehrer (FH)

«Welche Arbeiten sind alltäglich, oder lässt sich dies so nicht sagen?» fragte ich nun.
«Die Jahreszeiten haben dabei ja auch einen Einfluss. Was im Frühjahr wieder Leben und Farbe bekommen soll, muss bei Zwiebelgewächsen bereits im Herbst in die Erde gepflanzt werden.   
Ein grosser Teil unserer Arbeiten umfassen die Unterhaltsarbeiten. Sie beinhalten alles vom Jäten bis zum Schneiden von Bäumen und Hecken.
Neubauten und Umgestaltungen von Gärten, Grünanlagen oder Spielplätze beschäftigen uns zu jeder Jahreszeit.  
Wie schon bereits erwähnt, für eine Umgestaltung oder bei einem Neubau muss die Planung frühzeitig erfolgen.
Ein farbenfroher Frühling mit all den leuchtenden Blumen und Sträuchern muss im Herbst geplant und eingesetzt werden. Ein korrekter Winterschnitt und der Winterdienst betreffen die Arbeiten in den kälteren Jahreszeiten.»

«Wie sieht dies zum Beispiel bei einem grösseren Siedlungsbau aus?» fragte ich nach.

Herr von Gunten erzählt: «Bei umfangreichen Neubauten arbeiten wir mit dem Architekten zusammen. Wir erhalten die Baupläne und können anhand dieser unsere Ideen nach den bestgeeigneten Möglichkeiten für die Anlage ausarbeiten.»

«Haben sich in der Ausbildungszeit schon favorisierte Arbeiten entwickelt?» fragte ich Jana Prinz.
«Ich mache alle Arbeiten gerne. Das Gestalten von Gärten ist natürlich besonders interessant. Hier kann man das erworbene Wissen voll einsetzen und gleichzeitig kreativ sein. Es verlangt viel Verantwortung und Herausforderungen denen ich mich gerne stelle.»

«Aber sicher gibt es auch Arbeiten die weniger Begeisterung auslösen, aber zum Beruf gehören?» fragte ich nach.   
«Nach einem Tag jäten ist man schon froh, dass es Feierabend gibt,» meint Jana Prinz fröhlich.
Herr von Gunten kann diese Aussagen nur bestätigen, das würde bei allen Lernenden so tönen.

«Die Ausbildungszeit rückt dem Ende entgegen, gibt es schon Weiterbildungspläne?»
Jana Prinz musste nicht lange studieren: «Ich will als erstes im Beruf weiterarbeiten, mein Wissen anwenden und vertiefen. Dabei kann ich mir Gedanken machen welche Weiterbildung mir entspricht. Momentan interessieren mich Architektur und Planung besonders.  
Im Vordergrund steht zurzeit die Abschlussprüfung. Die Pflanzenkunde ist die    wichtigste Note, um erfolgreich die Abschlussprüfung zu bestehen.
Seit Beginn der Ausbildung habe ich mir jeden Tag eine Anzahl von sechs Pflanzen gemerkt. Kurz vor der Abschlussprüfung ist es unmöglich, noch alle 300 Pflanzen   mit lateinischen und üblichen Namen zu benennen und ihre Merkmale zu kennen.»

«Den ganzen Tag draussen und in Bewegung, verbunden mit ständigem Lernen, bleibt da überhaupt noch Zeit für Hobbys?»
«Ich habe ein eigenes Pferd, das bedeutet für mich jeden Morgen früh aufstehen für die Stallarbeit und am Abend reite ich noch aus. Im Winter, wenn es früh dunkel wird, muss ich mich schon etwas aufraffen. Im Sommer macht es natürlich Spass ohne Verpflichtung die Natur zu geniessen.
Sehr gerne mache ich es mir aber auch zu Hause gemütlich und lese ein Buch oder treffe mich mit Freunden.»
Diese Frage, Zeit für Hobbys stellte ich auch Herrn von Gunten.
«Momentan ist es die Familie, sich Zeit zu nehmen für unseren Sohn ist mir wichtig. Wir geniessen es alle gemeinsam etwas zu unternehmen, bei schönem Wetter am liebsten draussen.»  

Wir danken Herrn von Gunten und Jana Prinz herzlichst für das interessante, offene Gespräch.
Wenn wir in unsere Freizeit die schönen Grünanlagen und Gärten geniessen, gepflegte und bepflanzte Wege benutzen, wissen wir nun wie viel Arbeit dahinter steht. Im Garten oder der Natur betrachten wir die Pflanzen sorgfältig und freuen uns über ihr Gedeihen.





Charlotte Rothenbühler