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Gespräch mit Herrn Christian Reichenbach, Inhaber des Haut Coiffeursalon in Bern 4-5/17

Er erzählt uns einiges zur Ausbildung Coiffeuse / Coiffeur EFZ und aus dem Berufsalltag. 

Als erstes herzlichen Dank an Herrn Reichenbach für die spontane Zusage sich für uns die Zeit zu reservieren um uns den Beruf etwas näher vorzustellen und den netten Empfang. 

In einem Bericht habe ich gelesen; Christian Reichenbach ist nicht irgendein Coiffeur, der Haarkünstler ist internationaler Preisträger und Schweizermeister. Darüber wollte ich etwas mehr erfahren. 

Herr Christian Reichenbach ist in Saanen geboren. 1960 erfolgte ein Umzug nach Wiedlisbach. Nach seiner Berufsausbildung im Salon Holiday Wangen an der Aare arbeitete Herr Reichenbach im Salon for Men Barber Shop Bern.  

 

Im Jahr 1975 absolvierte er die Meisterprüfung und bereits im Jahr 1978 eröffnete er den Salon Haut Coiffeur Christian an der Spitalackerstrasse 51 in Bern. Seit 39 Jahren führt er nun den Salon, beschäftigt 5 Personen und seit dem Beginn der Selbständigkeit bietet er Lehrstellen an. Jungen Leuten für ihre spätere berufliche Karriere eine gute Ausbildung zu ermöglichen, ist für Herr Reichenbach sehr wichtig.
Ein weiterer Punkt ist ihm ebenso wichtig; eine gute Betreuung damit die Lernenden so schnell wie möglich Teil des Teams werden. Er motiviert sie und verteilt auch gerne ein Lob. Wer nie ein Lob erhält, verliert die Freude an der Arbeit. 

Regelmässig bietet er Schülerinnen und Schülern ab dem 14. Altersjahr eine Schnupperlehre an. Sie dauern 5 Tage und werden gegenseitig ausführlich in einem Tagebuch dokumentiert und am Ende gemeinsam besprochen. Ohne Auswertung ist die Schnupperlehre nur halb so viel Wert. 

  

 

Es gilt frühzeitig festzustellen ob die Bewerber/ -innen sich für den Beruf eignen. Nur so lassen sich Lehrabbrüche vermeiden. Seit 2006 ist Herr Reichenbach Präsident der Sektion Bern und Umgebung vom Verband Coiffeur Suisse. Im Jahr 2010 wurde er als Kantonalpräsident und VPK Präsident (Verbandsprüfungspräsident) gewählt. Diese Aufgaben umfassen die Prüfungskontrollen und die Organisation der Expertenschulung so wie die Neurekrutierung der Vorstandsmitglieder.
Sein Engagement für den Beruf Coiffeuse / Coiffeur beschränkt sich nicht nur in der Aus- und Weiterbildung der jungen Leute. 

Herr Christian Reichenbach war 10 Jahre in der Schweizerischen Nationalmannschaft. Er wurde nicht nur Einzel-Schweizermeister, sondern auch Meister mit der Mannschaft. Der Internationale Preisträger und Seminarleiter wurde ebenfalls Schweizer Cupsieger. Von 1987 bis 1993 war Herr Reichenbach Nationaltrainer der Herren-Coiffeure sowie 6 Jahre lang in der Fach Mode Kommission. Er nahm an Internationalen Frisurenshows teil. So in Paris, London, Wien, Düsseldorf, Budapest, Amsterdam, Turin, München, Honkong und Bangkok. 
Für all diese Tätigkeiten und weil er den Coiffeur Beruf in die Öffentlichkeit trägt wurde er zum «Mister Millenium» der Coiffeure geehrt und gewann den «GOLDENEN KAMM.»

Ich erkenne sogleich, Herr Reichenbach ist voller Begeisterung und mit einem grossen persönlichen Einsatz mit dem Beruf verbunden. Trotzdem meine Frage; «Erinnern sie sich noch, was bei der Berufswahl zu diesem Entscheid geführt hat?»
Herr Reichenbach lacht: «Meine Antwort wird sie vielleicht erstaunen. 

  

 

Mein Berufsziel war Architekt oder Hochbauzeichner. Ich war aber nie mit meinen Coiffeuren zufrieden, also sagte ich mir; diesen Beruf muss ich erlernen um  es besser zu machen. Bereut habe ich diese Wahl nie. Es ist ein so wunderbarer Beruf mit vielen kreativen Möglichkeiten.» 
«Wie sieht es mit den Fachrichtungen aus, werden diese getrennt durchgeführt?» wollte ich als nächstes wissen. 
Die Frage ist schnell beantwortet: «Wir haben 2006 die neue Bildungsverordnung erstellt und seither gibt es nur noch eine Fachrichtung, Coiffeuse/Coiffeur EFZ.

Früher war die Trennung sicher angebracht. Die Männer trugen alle Kurzhaarschnitte und bei den Frauen waren es vorwiegend lange Haare, oft verlangt wurde damals noch eine Dauerwelle. 

Heute haben sich die Modeerscheinungen und Trends stark verändert. Frauen wechseln ihre Haarschnitte und Farben öfters, moderne trendige Kurzhaarschnitte sind gefragt.  Im Gegensatz tragen Männer längere Haare und auch hier sind trendige Frisuren wichtiger geworden. Ebenso gehört Färben oder Tönen dazu. 
Aus diesem Grund wurde die Ausbildung einheitlich gestaltet mit der Bezeichnung Coiffeuse / Coiffeur EFZ.» 
«Wie sieht es mit der Lehrstellensuche aus?» fragte ich weiter. 

«Die Zahl der Lernenden ist eher Rückläufig. Waren es früher noch ungefähr 140 Lernende im Kanton Bern sind es momentan etwa 100 Lernende. Die abnehmende Schülerzahl trägt viel dazu bei. Noch fehlt es nicht an Anfragen für eine Lehrstelle. Das Problem ist eher, dass sich oft Schülerinnen und Schüler interessieren, leider aber den Anforderungen nicht genügen. 
Die Lerninhalte beinhalten einiges an Anforderungen. Erste Priorität ist, dass die ortsansässige Sprache beherrscht wird. Oft wird vergessen, dass auch die Mathematik ein wichtiger Bestandteil ist. Berechnungen sind auch in unserem Beruf wichtig, man denke nur an das Mischen von Farben.
Die Berufsfachschule wird in Bern, im Schulgebäude Steigerhubel, besucht. Am selben Ort wird auch der überbetriebliche Kurs durchgeführt.
Die Lerninhalte an der Berufsfachschule umfassen Grundwissen Haut und Haar, Beratung und Verkauf von Dienstleistungen, betriebswirtschaftliche Zusammenhänge sowie Arbeitsschutz und Gesundheitsvorsorge.  

Im üK erfolgt das praktische Erlernen und Üben der beruflichen Grundlagen. Die üK Besuche verteilen sich auf die drei Lehrjahre auf je 12 Tage. Im 2. Lehrjahr erfolgt eine Teilprüfung.»
«Wie finden sie die Ausbildung Lehrbetrieb, Berufsfachschule und üK`s?» wollte ich von Herrn Reichenbach wissen.
«Für mich ist es eine sehr gute Sache, die Praxis wird durch die Theorie ergänzt und im üK kann einiges an Fertigkeiten geübt werden was im eigenen Coiffeur Salon weniger zur Anwendung kommt.» 
«Bestehen für die Ausbildung Verbundangebote?» war meine nächste Frage.
«In meinen Salon kann ich alles anbieten. Ein berechtigter Coiffeur Salon zur Ausbildung, jedoch mit nur einer Ausrichtung, (Damen oder Herren) muss einen Verbundpartner suchen. 
Um eine Lehrstelle anbieten zu können benötigt es die Berufsprüfung und die HFP oder nach 4-jährigere Praxis den abgeschlossenen Kurs für Berufsbildnerin/ Berufsbildner und das absolvierte und bestandene Didaktikmodul. 

Das Weiterbildungsangebot ist vielfältig. Wie bereits erwähnt die BP / HFP.
Weiter möglich sind Spezialisierungen zum Beispiel schneiden, färben oder auf bestimmte Geschäfte wie zum Beispiel Spital, Hotel, Flughafen, Fernsehen, Kreuzfahrtschiffe. Es ist auch möglich sich anschliessend zur Theatercoiffeuse / -coiffeur oder zur Maskenbildnerin auszubilden. 
Der Verband «coiffeure suisse» bietet regelmässig Kurse an. Neue Trends, neue Produkte und neue Gesetze, das benötigt eine ständige Weiterbildung. 

Dadurch bleibt auch der Arbeitsplatz stets attraktiv.» 
«Die Fragen nach den Haupttätigkeiten erübrigt sich fast, können sie mir trotzdem einige nennen?» fragte ich Herrn Reichenbach.
«Ja sicher!» war die Antwort, «es sind dies schneiden, färben und die Beratung der Kundschaft. Haare reagieren stark auf äussere und innere Faktoren und können das Haar negativ beeinflussen. Ein Beispiel, bei abnehmender Blutzirkulation erreichen die Nährstoffe des Blutes die Haarwurzel nur unzureichend. Was zu Haarausfall führen kann.
Deshalb erhalten die Lernenden gleich zu Beginn im üK viel Wissen über die Farblehre und den Zusammenhang der Haarstruktur. Meinerseits habe ich schon ein kleines medizinisches Lexikon entworfen.»  

  

 

«Gibt es bevorzugte Arbeiten bei den jungen Leuten?» hat mich nun auch noch interessiert. 
Herr Reichenbach musste nicht lange nach der Antwort suchen: «Es sind dies Haarschneiden, besonders trendige Looks und färben, hier ist besonders das Elumen zu erwähnen. Kreativität und Feingefühl sind hier gefragt, solche Herausforderungen machen besonders Spass. 
Weniger Begeisterung bringen die Dauerwellen, was heute auch immer weniger gefragt ist. 
Dank neuer Bildwelten können Wünsche bereits konkretisiert, Denkanstösse vermittelt und im persönlichen Beratungsgespräch zusammengetragen werden. 

Der Kunden kann bei der Onlineanmeldung gleichzeitig ein Foto von sich mitsenden,   was eine optimale Vorbereitung im Voraus ermöglicht.» 
«Was muss eine Schülerin, ein Schüler nebst Freude am Kontakt und an Kreativität noch mitbringen?» war eine weitere Frage von mir.  «Nebst der ortsüblichen Sprachbeherrschung ist das Interesse an Schönheit und Mode, Formen und Farbensinn, Fingerspitzengefühl, Einfühlungsvermögen und Diskretion wichtig. 

Man benötigt einen gesunden Rücken und Füsse für das Arbeiten im Stehen. Was heute immer seltener vorkommt sind Allergien im Zusammenhang mit Pflegemitteln.» 
«Bei all den vielen Tätigkeiten zu Gunsten der Ausbildung und der Kundschaft welche immer wieder gerne bei ihnen vorbeikommen, wie ich aus verschiedenen Artikeln gelesen habe, sind der Beruf und Hobby eins?»
Herr Reichenbach lacht und meint: «Schon fast, es ist ein so faszinierender Beruf. Ich bin noch heute voller Interesse für Hairstyling Mode und Trends. 

Aber auch ich brauche natürlich einen sportlichen Ausgleich. Ich spiele Tennis, fahre Ski und erhole mich besonders gerne in der Natur. Nebst Joggen ist auch schon ein Marsch durch den Wald bereichernd und Erholung für mich.»
Kreativität und Leidenschaft zum Beruf und der Ausbildung zeichnen sich bei Herrn Christian Reichenbach durch das ganze Gespräch ab. 
Da begreift man gut, dass sich zahlreiche Promis gerne von ihm die Haare schneiden lassen. Doch Herr Reichenbach frisiert alle gern; von Kindern bis zu den Grosseltern. 

Wir danken Herr Reichenbach herzlichst für das offene, lebhafte Gespräch. 

 

 

Charlotte Rothenbühler