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Mediadaten

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Laborscope das offizielle Organ des Fachverbandes für Laborberufe Schweiz.

Gespräch im Atelier Trix in Unterseen bei Interlaken. 3/17

Frau Trittibach, Geschäftsinhaberin und Frau Frericks, gelernte Floristin EFZ, erzählen aus ihrem Berufsalltag und über die Ausbildung.

Als erstes herzlichen Dank an Frau Trittibach für die spontane Zusage  und den freundlichen Empfang. Dieser Dank geht auch an Michèle Frericks. Mit viel Erfolg hat sie ihre Abschlussprüfung im Jahr 2016 bestanden. Wie es so schön zu lesen ist, ein grosser Teil ihres Herzes gehört den Blumen aus welchen sie prachtvolle Blumenkompositionen gestaltet. 

Blumen – Blüten – Blätter, zart, sanft oder kraftvoll, bunt, weiss, ein faszinierendes Gedankenspiel steckt hinter jedem Blumengesteck - hinter jedem schön gebundenen Blumenstrauss. Blumen sind Symbole, sie übermitteln den Ausdruck von Liebe, sie sind Träger guter Wünsche, Vermittler von Freude oder bringen Kraft bei Leid.  

 

Eine Blume jeglicher Art ist ein spezielles Wesen. Man muss die schönen Dinge nur sehen. In der Natur erfreuen wir uns stets neu an den ersten Frühlingsboten mit ihren zarten Farben. Zu Hause lenken wir unseren Blick gerne auf schöne Dinge, dabei kommen Blumen eine besondere Bedeutung zu. Blumengestecke sind florale Kunstwerke die immer eine grosse Bewunderung auslösen.

Auf der Suche etwas über Blumen zu schreiben bin ich auf das Atelier Trix aufmerksam geworden. 

Frau Trittibach, die ausgebildete Floristin und Blumenspezialistin arbeitet seit Jahren mit viel Leidenschaft in ihrem Beruf. Zunächst war sie während fünf Jahren als Geschäftsführerin im Blumengeschäft Willi von Gunten tätig. Dann zog es die Blumenkünstlerin ins Hotel Viktoria Jungfrau als Floristin. Zusätzlich hatte sie ein eigenes Atelier in Därlingen. Seit 2003 führt sie das Atelier Trix am Stadthausplatz.

Der Beruf Floristin/Florist EFZ benötigt neben einem grossen Wissen viel Eigenkreativität und viel Feingefühl. Fähigkeiten die nicht einfach so erlernbar sind. 

Es wurde mir schon beim Empfang bewusst, hier wird mit viel Begeisterung und Freude gearbeitet. Das Atelier Trix ist mehr als nur ein Blumenladen. Es ist ein Reich in welchem mit viel Leidenschaft gearbeitet wird. Dabei fliessen auch «Grünsachen» und Zusätzen ein, wichtig dabei ist, die Blumen müssen hervorheben. Die Blumenkreationen sind blumig, natürlich, speziell und persönlich.  

 

Daneben findet man auch allerlei Accessoires um zu Hause den erworbenen Blumenschmuck zur vollen Geltung zu bringen. 

Um die Eigenkreativität zu fördern werden regelmässig Kurse angeboten. Ebenso gehören Ausstellungen in der Region dazu. 

Es sind schon einige Jahre her, trotzdem meine Frage an Frau Trittibach, war es damals ihr Wunschberuf?

Da gab es kein langes studieren: «Ja, ich war bereits als Kind sehr naturverbunden und kreativ. Die Kunstfachschule war zu dieser Zeit kein Thema, es musste ein Beruf erlernt werden. Da gab es für mich keine grosse Überlegung, ich wollte Floristin werden. Bereut habe ich diesen Weg noch nie. 

Die Vielfalt der Natur bringt mir viel und regt mich an. Wenn ich abends mit dem Velo durch das Schutzgebiet nach Hause fahre erhalte ich bereits wieder neue Ideen. 

Bei Wanderungen durch den Wald habe ich immer einen Rucksack dabei. Hier findet man so vieles was im Atelier verwendbar ist. Es ist das was ein Blumengesteck harmonisch wirken lässt.

Ich verwende mit Vorliebe Blumen aus der laufenden Saison und aus der Schweiz. 

Eigene Kreationen aber auch solche die dem Wunsch und der Persönlichkeit unserer Kunden entspreche erfüllen wir gerne.» 

Frau Freicks setzt sich zu uns. Auch hier war vorerst meine Frage, war es der Wunschberuf. Frau Freicks strahlt: «Ja das kann man sagen. Ich habe vorgängig einige Schnupperlehren in verschiedenen Berufen gemacht ohne dass ich mich für etwas entschliessen konnte. Als letztes war es hier im Atelier Trix als Floristin EFZ und mir war sogleich bewusst das ist mein Berufsziel.»  

«Wie sieht es mit Lehrstellen aus?» fragte ich weiter.

Frau Freicks lacht fröhlich: «Für mich war es sehr leicht, ich habe mich nach der Schnupperlehre gleich beworben und erhielt eine Zusage.» 

Frau Trittibach ergänzt, dass sich jedes Jahr genügend Bewerberinnen melden. 

«Das letzte Mal habe ich alle als geeignet gesehen, das ist nicht immer so. 

Ein wichtiger Punkt den ich besonders beachte, die Person muss in unser kleines Team passen.»

«Wo wird die Berufsfachschule, die üK`s besucht und was sind die Hauptfächer?» war meine nächste Frage an Frau Freicks. 

«Selber besuchte ich die Berufsfachschule in Thun. Wir waren 18 SchülerInnen in meiner Klasse. Daneben gibt es eine Schule in Solothurn und Biel oder in der Lehrwerkstätte Oeschberg oder Lullier für französisch sprechende Lernende.

Die üK`s werden für alle Lernenden zentral in Lyss durchgeführt. 

Die Hauptfächer an der Berufsfachschule sind:

  • Botanik
  • Floristik
  • Gestalten 
  • Verkauf

In den üK`s stehen das praktische Erlernen und das Üben beruflicher Grundlagen im Vordergrund. Die üK`s empfand ich als sehr positiv, das Treffen mit Mitlernenden aus den verschiedenen Regionen ist bereichernd.» 

«Was sind die Weiterbildungsmöglichkeiten?» fragte ich nach.

«Da ist einerseits die Berufsprüfung (BP), die die Höhere Fachprüfung (HFP), die höhere Fachschule oder die Fachhochschule.

Daneben bietet der Schweizerische Floristenverband viele Kurse an. Diese sind praxisbezogen und bringen viel.»  

«Was sind die täglichen Haupttätigkeiten einer Floristin?» fragte ich als nächstes. 

«Wir erhalten jeden zweiten Tag frische Blumen, damit stellen wir unsere Gestecke und Sträusse zusammen. Die Blumen müssen gepflegt, gewässert und welke Blätter entfernt werden. Wir dekorieren das Schaufenster und die Räume attraktiv. 

Bei individuellen Wünschen
stellen wir die entsprechenden Sträusse oder Gestecke zusammen oder bei Anlässen übernehmen wir die Raumgestaltung. Hier werden der Anlass und die Saison berücksichtigt.» 

Frau Trittibach ergänzt: «Für die Raumgestaltung oder bei Aufträgen bei einer Firma oder Institution sind die Herausforderungen besonders hoch. Der Blumenschmuck muss oft über längere Zeit haltbar sein. Es kann schon vorkommen, dass er während einem Monat frisch aussehen muss.     

Ich will auch keine farbengespritzte Blumen verkaufen. Für mich muss alles natürlich bleiben. So ist den auch mein Motto: Natur pur.» 

Nun war ich doch noch neugierig geworden: «Bei all dieser Vielfältigkeit, gibt es trotzdem eine Tätigkeit die besonders begeistert?» fragte ich Frau Frericks.

Frau Frericks überlegt: «Eigentlich mache ich alles gerne, aber besonders freut es mich für einen Hochzeitsanlass zuständig zu sein. Hier kann ich von der Blumendekoration bis zum Brautstrauss alles übernehmen.» 

«Täglich in Bewegung und täglich kreativ, bleibt da noch Zeit und Lust für Hobbys?»

Fröhlich und spontan sagt Frau Trittibach: «Auf jeden Fall, dieser Ausgleich ist mir wichtig. Ich fahre Ski, Bike oder sammle Naturgegenstände. Ich bin an der Kunst interessiert und habe ein faszinierendes Hobby, das Steinschleifen, natürlich von Hand.»

Ich sehe, Kunst und Natur hat auch in der Freizeitbeschäftigung einen grossen Stellenwert. 

Frau Frericks musste in der Zwischenzeit Kunden bedienen und kommt zurück. 

So geht meine Frage auch noch an sie. 

«Natürlich!» antwortet sie spontan und fröhlich. «Sport gehört dazu sich die nötige Balance zu beschaffen. Im Winter fahre ich Ski und bei angenehmen Temperaturen geniesse ich das Schwimmen im See. Mich mit Freunden zu treffen gehört ebenso dazu.»  

Wir danken Frau Trittibach und Frau Frericks herzlichst für das lebhafte, offene Gespräch. Die Freude bei der Gestaltung wunderschöner Blumenwerke und die Wünsche der Kundinnen und Kunden bestens möglichst zu erfüllen merkt man durch das ganze Gespräch hindurch. 

Wir werden unsere Blumen zu Hause oder die Blumenwerke in öffentlichen Räumen noch bewusster geniessen. Wir wissen nun wie viel Arbeit und Kreativität hinter all diesen floralen Kunstwerke steht. 

Wir wünschen Frau Trittibach und Frau Freicks weiterhin diese grosse Freude.

 

 

Charlotte Rothenbühler