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Im Gespräch mit Herr Bohren, Geschäftsführer des «Romantik Hotel Sternen» in Kriegstetten zur Berufsbildung Hotelfachfrau/ -mann EFZ. 1-2/17

Als erstes herzlichen Dank an Herrn Bohren für die spontane Zusage und den netten Empfang.   

Das Romantik Hotel Sternen ist ein historisches Haus in Bidermeier-Ambiente inmitten des Schweizer Mittellandes. Im Garten kann man sich an warmen, sonnigen Tage im Schatten hundertjähriger Linden in eine Ferienstimmung versetzen.  

Ein kurzer Rückblick in die interessante Geschichte ist lohnenswert. 1790 wurde der heutige Sternen als Bauerngut «Neuhüsli» mit Krämerladen und Salzablage durch Familie Gutz erbaut. 1845 eröffneten die Gebrüder Steiner eine Speisewirtschaft. 

Nach einem Grossbrand 1847 wurde das Haus in seiner heutigen Form aufgebaut. Dabei angeschlossen war eine eigene Brauerei.   
1913 erwarb Erhard Gerber den Sternen. Er prägte das Haus in seiner heutigen Form mit seinen eleganten Biedermeier-Möbeln und der gepflegten Gartenlandschaft.
1952 wurde es durch die Familie Bohren gekauft und wird heute in der dritten Generation von Herrn Christoph und Frau Manuela Bohren geführt. 

 

Mich interessierte als erstes: «War der Wunsch in der Hotelbranche zu bleiben schon bei der Berufswahl da? Bereits als Jugendlicher waren sie sicherlich öfters mit grösserer Betriebsamkeit konfrontiert, da ist es nicht immer selbstverständlich, dass man in diesem Tätigkeitsfeld bleiben möchte?»

Herr Bohren musste nicht lange überlegen: «Mein Ziel war bereits mit 15 Jahren   gefestigt. Es macht mir Freude die Gäste zu verwöhnen, ihnen etwas Besonderes zu bieten. Ich freue mich, wenn unsere Gäste schöne Momente in einer gemütlichen Umgebung feiern können und danach gut gelaunt und zufrieden nach Hause gehen.

Es sollen unvergessliche Augenblicke sein, was besonders in den heutigen oft schwierigen Zeiten umso wichtiger ist. Der Gast soll sich entspannen und einen guten Service unseres Teams geniessen, das ist unser Ziel. 
Feste soll man feiern wie sie fallen, denn sie kommen so nie wieder. Sei dies Hochzeiten, Taufen, Konfirmationen, Erstkommunion, Jubiläum, Matur oder Diplomfeier, aber auch ein Weihnachtsessen oder ein Familientreffen.
Für jeden Anlass gibt es den passenden Raum und Grösse.
Aber auch einen gemütlichen Abend zu zweit oder in einer Gruppe sollen unsere Gäste immer wieder aufs Neue begeistern und überraschen. Unser Handeln ist geprägt von Herzlichkeit, dem Schaffen von Genusserlebnissen und verantwortungsbewussten Umgang mit Menschen und Natur.»

 

Die gemütliche Atmosphäre spürte ich gleich beim Eintreten in das Romantik Hotel Sternen. Dass Herr Bohren all seine Aussagen sehr wichtig sind, das merkt man beim Gespräch sogleich.  
Im Jahr 2006 stiegen Herr Christoph und Frau Manuela Bohren in den elterlichen Betrieb ein. Wichtig ist ihnen auch die Ausbildung. Momentan sind es sechs Lernende in den Berufen Koch und Service- und Hotelfachleute. Maximal werden bis neun Lernende ausgebildet, das heisst jedes Jahr werden drei Lernenden je ein Ausbildungsplatz angeboten.  

Ich stellte nun einige Fragen zum Beruf Hotelfachfrau/ -mann EFZ an Herrn Bohren.   
«Wie schwierig ist es eine Lehrstelle zu erhalten und wird der Beruf in verschiedenen Fachrichtungen geführt?», wollte ich als erstes wissen.   

«Hier in unserer Gegend haben wir mehr Anmeldungen als wir Lehrstellen anbieten können», sagt Herr Bohren. «Das ist regional aber verschieden. In unserer Umgebung gibt es eher wenige Hotels. Die begleitende Berufsfachschule im Rahmen der 3-jährigen Ausbildung erfolgt entweder in Blöcken in den Schulhotels von hotelleriesuisse oder mit einem wöchentlichen Schultag an der GIBS. Die Schulhotels richten sich vor allem an Lernende aus Saisonbetrieben.»  

 

Für Schülerinnen und Schüler ist es sicher von Vorteil sich vorgängig, während einer Schnupperlehre, einen Einblick zum Berufsfeld zu erhalten. «Wo werden die Berufsfachschule und der üK besucht?», fragte ich als nächstes. 
«Unsere Lernenden besuchen einmal wöchentlich die Berufsfachschule in Bern. Pro Semester findet zusätzlich eine üK-Woche statt. Meinerseits finde ich einen wöchentlichen Schulbesuch idealer gegenüber dem Blockunterricht. In einem Hotel verläuft jeder Tag etwas unterschiedlich. Damit profitieren die Lernenden mit verschiedenen Situationen im Alltag umzugehen. 

Die Berufsbezogenen Fächer sind: Betriebswirtschaft und -organisation, Hygiene, Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, Logistik, Gästebetreuung, Raumgestaltung, Werterhaltung, Wäscheversorgung, Maschinen, Geräte und Utensilien und eine zweite Sprache.

Der üK beinhaltet spezifische Themen unter anderem Beherbergung und Werterhaltung, Wäscherei-Service und Bankette, Office und Rèception.»   
«Was sind die Weiterbildungsmöglichkeiten?», war eine weitere Frage von mir. 
«Die heutigen Möglichkeiten sind vielfältig, der nächste Schritt ist Bereichsleiter/ -in Hotellerie-Hauswirtschaft mit Eidg. Diplom.» 

«Wie sieht der Alltag der Hotelfachfrau/ -mann EFZ aus?», war ich nun neugierig geworden.

Herr Bohren erläutert: «Die Personen sind dafür besorgt, dass sich die Ferien und Seminargäste im Hotelzimmer wohl fühlen. Dazu gehören Reinigung und Pflege der Gästezimmer und Aufenthaltsräume. Im Weiteren gehören die Wäscherei, die Dekorationen und auch der Frühstückservice zum Aufgabengebiet. 

Sie helfen mit am Buffet (Getränkeausgabe), im Office (Geschirrreinigung) und im Frühstücksservice, wo wir morgens den Gästen die gewünschten Getränke und Speisen zubereiten und servieren. 
Sie bereiten Räume für Seminare und Bankette vor. Sie kontrollieren, ob die technischen Hilfsmittel vorhanden sind und kümmern sich um die Pausenverpflegung während des Anlasses. Sie arbeiten eng mit der Rezeption zusammen und übernehmen auch Aufgaben aus anderen Bereichen. 

Im Bereich Logistik bestellen sie Wäsche, Putzmaterialien und kontrollieren diese und ordnen sie ein.»  

Ich sehe, der Beruf Hotelfachfrau/ -mann ist vielfältig und abwechslungsreich. Nicht immer ist alles genau planbar. Es gibt viel Neues zu lernen, sei dies am Arbeitsplatz oder in der Berufsfachschule.

«Bleibt den jungen Leuten trotzdem noch Zeit für Hobbys?», fragte ich Herrn Bohren. 

«Ja sicher, sie haben wie in jedem anderen Beruf ihre fixen Arbeitszeiten, welche im gesetzlichen Rahmen je nach Tag und Woche der Belegung im Hotel angepasst werden. Wenn ihr Arbeitstag z.B. früh beginnt, geniessen sie einen frühen Feierabend. Die zwei freien Tage fallen auch einmal an Werktagen an, das ist wie in allen Dienstleistungsberufen geregelt.» 

«Was müssen die jungen Leute mitbringen um erfolgreich und mit Freude diese Berufsausbildung zu absolvieren?», fragte ich nun als letztes. 

«Flexibilität und Belastbarkeit sind in der Hotellerie besonders wichtig. Ein ebenso wichtiger Punkt ist eine sorgfältige, gewissenhafte Arbeitserledigung. Dazu gehört auch die Zuverlässigkeit.» 

Wir danken Herr Bohren herzlichst, dass er sich Zeit genommen hat uns einiges zum Beruf Hotelfachfrau/ -mann EFZ zu erzählen. 

Wen wir das nächste Mal genüsslich unsere Ferien- oder einen Seminaraufenthalt geniessen, einen gemütlichen Abend bei einem Fest feiern oder uns zu zweit bei einem guten Essen verwöhnen lassen; wir wissen nun wie viel Arbeit dazu beigetragen wird um uns all diese schönen Momente zu ermöglichen. Sicher schätzen wir dies nun umso mehr.   

 

Charlotte Rothenbühler