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Mediadaten

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Laborscope das offizielle Organ des Fachverbandes für Laborberufe Schweiz.

12/16 Interview bei Labor Veritas AG in Zürich

Als erstes herzlichen Dank an Herrn Pascal Stingl, Prüfleiter organische Chemie und Ausbildner , für seine Zusage und an Herrn Leon Schürmann, dass er sich meinen Fragen stellte.

Interessant ist ein geschichtlicher Rückblick, den Anfang machte das Bier:

Die 1889 gegründete «Versuchsstation Schweizerischer Brauereien (VSB)» war über hundert Jahre das Forschungs- und Qualitätssicherungsinstrument der inländischen Brauereien. Durch sinkende Aufträge wurden nach Lösungen gesucht. Die Lösung war in einem Dienstleistungslabor, das über die Getränkeindustrie hinausreichte. 

Bereits in den 80er Jahren startete diese Entwicklung mit der Ausdehnung der Pestizidanalytik von den Brauereirohstoffen Hopfen und Malz, auf Früchte und Gemüse. Damit begann das systematische Qualitätsmanagement immer mehr an Bedeutung zu gewinnen. Die erste Akkreditierung nach EN 45001 (heute ISO/IEC 17025) wurde 1994 erreicht. Ende der 90er Jahre erfolgte die Übernahme und Integration der Labor Roth AG in die Richtung Umweltanalytik.  

Von Links nach Rechts: Leon Schürmann, Remo Rauber, Pascal Stingl

 

Am 1. Juli 1999 erfolgte eine Namensänderung, aus VSB wurde Labor Veritas.  

Im Oktober 2001 fand die Gründungsversammlung der «Labor Veritas AG» statt.

Heute ist es ein flexibles und unabhängiges Dienstleistungsunternehmen und auch nach 10 Jahren immer noch am gleichen Standort, an der Engimattstrasse in Zürich, zu Hause. 

Labor Veritas AG bietet chemische, physikalische und mikrobiologische Analysen und Beratungsdienstleistungen an. Akkreditiert nach ISO/IEC 17025 und mit Swissmedic-Zulassung für Qualitätskontrolle im Bereich Arzneimittel. Die Hauptbereiche sind Wasser, Lebensmittel, Getränke, Arzneimittel und Umwelt.

Beschäftigt werden 40 Personen.   

Interview mit Leon Schürmann Laborant EFZ Fachrichtung Chemie

Im August 2016 hat Leon Schürmann das Qualifikationsverfahren erfolgreich abgeschlossen.

«War Laborant EFZ ihr favorisierter Ausbildungsberuf?» fragte ich gleich bei Beginn des Gesprächs. 

«Nein!» antwortet Leon Schürmann spontan, «ich war unschlüssig welchen Beruf ich erlernen will. Ich wusste nur, es muss etwas sein, das mit manuellen Tätigkeiten verbunden ist. Ich entschloss mich deshalb verschiedene Schnupperlehren zu absolvieren, zum Beispiel als Landschaftsgärtner aber auch als Elektroinstallateur.  

Ich las ein Angebot von Labor Veritas AG für einen Informationstag und meldete mich dort an. 

Danach wusste ich, die Ausbildung Laborant EFZ Fachrichtung Chemie, ist genau das Richtige für mich. Ich bewarb mich umgehend für die Lehrstelle, denn bei Labor Veritas AG hat es mir sogleich gut gefallen.» 

«Was war die Motivation für diese Berufsbildung?» war ich nun neugierig geworden.

«Meine Eltern sind beide in der Biologie tätig. Dadurch kam ich bereits früh mit den naturwissenschaftlichen Gebieten in Kontakt. Nebenbei hatte ich Gelegenheit meinen Vater an seinen Arbeitsort zu begleiten. Dadurch war ich schon etwas vertraut mit der Laborumgebung.»  

«Haben sie sich auch in der Fachrichtung Biologie umgesehen?» wollte ich nun wissen.

Spontan und bestimmt kam die Antwort: «Nein, Biologie kam für mich nicht in Frage.»

Auf meine Frage betreffend Schwierigkeit eine Lehrstelle zu finden, meint Leon Schürmann: «Ich hatte Glück sofort eine passende Lehrstelle zu erhalten.

Ich hatte aber Kollegen, die diese Ausbildung gerne absolviert hätten, jedoch keine Lehrstelle fanden.» 

Herr Stingl ergänzt, dass oft viele Bewerbungen eingehen, welche jedoch den erforderlichen Anforderungen nicht genügen. Dadurch, dass die Lehre sehr anspruchsvoll ist, benötigt ein Schüler oder eine Schülerin ein gutes Wissen in den Hauptfächern und gleichzeitig manuelles Geschick. 

Die Berufsfachschule wird in Winterthur besucht und die überbetrieblichen Kurse an der Uni Irchel.

Interessiert hat mich nun wie die Aufteilung der drei Lernorte, Lehrbetrieb, Berufsfachschule und überbetriebliche Kurse, nach der neuer BiVo empfunden wird? 

Leon Schürmann fand die üK`s interessant: «Man lernt neue Anwendungen kennen, solche die im eigenen Lehrbetrieb nicht angewendet werden oder hat Gelegenheit Arbeitsgänge zu vertiefen. Auch das Zusammensein mit den Mitlernenden ist wertvoll. Danach freut man sich wieder in den Lehrbetrieb zurück zu gehen.» 

Herr Stingl ergänzt: «Das ist eine sehr gute Sache. Die üK 1 und 2 entlasten den Lehrbetrieb enorm. Die Lernenden kommen so bereits mit guten Grundkenntnissen der Alltagsarbeiten ins Labor. Sie kennen die Sicherheitsvorschriften, die wichtigsten Glaswaren und den korrekten Umgang. Im Lehrbetrieb würde dies über einige Wochen eine Person in Anspruch nehmen.  

In den späteren Modulen lernen sie Methoden kennen, die im eigenen Lehrbetrieb nicht zur Anwendung kommen. 

Besonders schätze ich auch, dass Synthesearbeiten im üK erlernt werden. In einem analytischen Labor können mit den Lernenden Synthesen nur grundlegend vermittelt werden, da die Fähigkeiten der Fachausbildner meist ausschliesslich aus der eigenen Ausbildung stammen. Dank dem üK sind die Lernenden auch für diesen Teil bei der LAP gut vorbereitet. Im ük erlernen sie anspruchsvolle Synthesearbeiten aus erster Hand und gleichzeitig haben sie Gelegenheit diese zu vertiefen.  

Bei der Abschlussprüfung werden die Ausbildungsplätze Analytik und Synthese berücksichtigt. Dadurch, dass die praktische Fachprüfung am Arbeitsplatz durchgeführt wird, können die Absolventen/-innen ihre erworbenen Fertigkeiten und ihr Wissen, in ihrer vertrauten Umgebung, voll einbringen. Ich finde das sehr wichtig und als grosser Vorteil für die Kandidaten/-innen» 

«Heute stehen nach der Grundausbildung viele Wege zur Weiterbildung offen, haben sie sich diesbezüglich schon Gedanken gemacht?» fragte ich nun Leon Schürmann.

Ohne zu zögern, kam die Antwort: «Vorerst will ich meine Kenntnisse vertiefen und Geld verdienen dann erst mache ich mir Gedanken zum Thema.» 

«Was waren die Haupttätigkeiten während der drei Jahre?» war meine nächste Frage.

«Unser Arbeitsgebiet ist so vielfältig, dass man kaum von spezifischen Haupttätigkeiten sprechen kann,» sagt Leon Schürmann. «Im Vordergrund standen die chemisch-technische Würze- und Bieranalytik.» 

«Die Bedürfnisse und Anforderungen unserer Kunden ändern sich laufend,» ergänzt Herr Stingl. «Labor Veritas AG versteht sich nicht nur als Routinelabor, sondern wir verfügen über erfahrene Mitarbeiter, wenn es darum geht massgeschneiderte Analytik zu entwickeln. Das ist es, was unsere Arbeit so spannend macht. 

Wir bieten auch individuelle auf die Betriebe angepasste technologische Beratungen an.» 

«Gab es auch favorisierte Arbeiten von Leon Schürmann?» fragte ich als weiteres. 

«Ich erledigte alle Arbeiten gerne, ständig lernte ich Neues und vertiefte mein Wissen und lernte die genauen Zusammenhänge kennen. Die Lebensmittelanalytik hat mich immer besonders begeistert. Ich erhielt die Proben zur Bestimmung der Grundanalyse und erledigte dies bis zur Dokumentation. Solche Herausforderungen haben mich stets neu motiviert. Gerne habe ich auch im Team mitgearbeitet.»  

«Sicher gab es auch Arbeiten, die weniger Spass machen?» fragte ich nun nach.

Nach einigen Überlegungen meint er: «Zu Beginn waren es die Destillationen. Seit ich aber all die Zusammenhänge, kenne hat sich dies geändert. Arbeiten mit Ammoniak ist nicht eine meiner liebsten Arbeiten.» 

«Blieb während der Ausbildung, mit Berufsfachschule, üK`s, ständig neues Wissen erwerben im Lehrbetrieb trotzdem Zeit für Hobbys?»

«Ja sicher, einen Ausgleich zur Arbeit brauche ich. Am liebsten bin ich mit dem Snowboard unterwegs. Allgemein bevorzuge ich den Wintersport und benütze jede mögliche Gelegenheit mich draussen aufzuhalten.»

 

Wir danken Leon Schürmann herzlich für das interessante Gespräch und wünschen ihm für die berufliche und private Zukunft alles Gute. 

 

Charlotte Rothenbühler