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9/16 Interview bei Monopol AG Fislisbach

Lukas Vogel stellt sich meinen Fragen zum Beruf Farb-Lacklaborant EFZ und erzählt aus seinem interessanten Alltag. 

 

Seit 1947 vermarktet Monopol Colors AG Beschichtungsstoffe, Lacke und Farben für die weltweite Anwendung in Architektur, Bau und Industrie. 

Als erstes herzlichen Dank an Herrn Lukas Vogel für seine sofortige Zusage uns über die Ausbildung Farb-Lacklaborant EFZ und deren Tätigkeiten zu erzählen.

Was wäre der Alltag ohne Farben? Wir freuen uns etwas über das Arbeitsgebiet in einem Farb-Lack Labor zu erfahren.

«Was war der Entscheid für Herrn Vogel damals, diese Berufsausbildung zu wählen, die er sehr erfolgreich im letzten Jahr abgeschlossen hat?», war meine erste Frage. 

«Schon während der Schulzeit hat mich die Chemie, Biologie und Mathematik besonders interessiert. Gleichzeitig hatte ich Freude am Experimentieren technischer Vorgängen. Ich orientierte mich über verschiedene Ausbildungsmöglichkeiten und merkte bald, Laborant EFZ entspricht meinen Vorstellungen. Nebst einer vielseitigen, anspruchsvollen Ausbildung wollte ich etwas erlernen mit möglichst vielen handwerklichen Tätigkeiten. Meine erste Schnupperlehre war in einem Chemielabor, wenn auch eher zufällig. Anschliessend schnupperte ich eine Woche in einem Farb-Lack Labor, bei der Firma Berlac AG. Ich merkte sofort, hier gefällt es mir am besten, es entspricht genau der Ausbildung die ich suche. In einem Farb-Lacklabor fallen zum Teil handwerkliche Arbeiten an. Physikalische Vorgänge sind sichtbar, man kann fast sagen spürbar. Nebst der richtigen Farbherstellung, sind die Kenntnisse des Untergrunds auf welchem die Farbe appliziert wird, ebenso wichtig. Das heisst, man muss sich auch mit dieser Materie befassen, um ein befriedigendes Resultat zu erhalten. Es wird viel Eigenkreativität benötigt, was die Arbeit besonders spannend macht. Der Einsatz von Computer und den handwerklichen Tätigkeiten ist ein guter Mix, das hat mich sofort begeistert. Das hatte ich im Chemielabor vermisst. Chemische Reaktionen verlaufen hinter Glasapparaturen, die zwar beobachtet werden können, aber greifbar sind sie nicht.»    

 

«Wie schwierig war es eine Lehrstelle zu finden und wie sieht diese allgemein aus?»,   fragte ich Herrn Vogel. 

«Meinerseits bewarb ich mich unmittelbar nach der Schnupperlehre bei Berlac AG für eine Lehrstelle und freute mich besonders, hier eine Lehre absolvieren zu dürfen.

Ich freute mich nun eine facettenreiche Ausbildung vor mir zu
haben», erzählt Herr Vogel mit Begeisterung die sofort spürbar ist. 

«Allgemein kann dies je nach Region schwierig sein. In der Schweiz stellen ca. 60 Firmen Farben und Lacke her. Lehrstellen werden angeboten, wenn auch nicht immer am gewünschten Ort. Das bedeutet man muss flexibel sein.»

«Wo findet der Berufsfachschulunterricht statt?», war meine nächste Frage. 

«Für alle Farb-Lacklaboranten ist dies in Winterthur. Die Ausbildung hat sich von der bisherigen gemeinsamen Chemielaboranten Ausbildung losgelöst und sich zu einem eigenständigen Lehrberuf entwickelt. Im 2015 waren wir neun Absolventen an der Abschlussprüfung.   

Während dem ersten Lehrjahr waren wir bei den Biologielaboranten im Unterricht. 

Vermittelt werden nebst den allgemeinbildenden Fächern die Grundlagen Mathematik, Physik, Chemie und Biologie. Dazu gehört auch ein Semester Biochemie. Erst im 2. und 3.Lehrjahr folgen die Fachspezifischen Fächer Lacke und Farben. Hier wird alles Relevante zum Thema Farben- und Lackzusammensetzung bis zu den verschiedenen Systemen behandelt. Das heisst chemische Analysenmethoden bis zur Auswertung der Prüfergebnisse. 

Wichtig ist auch das Erlernen von Administrativen Arbeiten bis zur Kommunikation mit Kunden. Im ersten Lehrjahr steht englisch im Stundenplan was nach einem Jahr durch Fachenglisch ersetzt wird. Heute in der globalen Welt wird dieses Fach immer wichtiger.»  

«Wo finden die üK`s statt?», hat mich nun interessiert. 

«Die üK`s finden während allen drei Ausbildungsjahren statt. Im 1. Lehrjahr an der Uni Irchel in Zürich. Im 2. Lehrjahr in Winterthur und im 3. Lehrjahr findet ein Biochemiepraktikum an der ZHW statt. Das fand ich sehr spannend, konnte diese Meinung aber nicht mit allen Mitlernenden teilen.» 

 

«Rückblickend auf die Ausbildung, wie findet Herr Vogel die Kombination der drei Lernorte?» ,
fragte ich nach. 

«Als Erstes ist zu erwähnen, dass ich die Lehre als super bezeichnen kann», sagt Herr Vogel strahlend. 

«Im ersten Lehrjahr war ich richtig gefordert. Die Berufsfachschule war anspruchsvoll.

Stets kam neues Wissen dazu, welches anschliessend im Lehretrieb in die Praxis umgesetzt wurde. Ich stellte mich mit Freuden all diesen Herausforderungen. Ich erlebte den Arbeitsalltag immer neu was mich sehr motivierte. Im ersten Lehrjahr ist der Besuch der Berufsfachschule zusammengelegt mit den Fachrichtung Biologie- oder Chemielaboranten. Das ist von der Klassengrösse abhängig. Meinerseits war ich in der Fachrichtung Biologie. Diese Zusammenlegung für die Grundkenntnisse ist ein grosser Vorteil. Es ermöglicht bereits früh ein breites Wissen zu erwerben.  

Während denn beiden folgenden Jahre fühlte ich mich, von Seiten der Berufsfachschule, eher unterfordert. Nach dem neuen Stundenplan fällt die Biologie weg. Weiterhin bleibt die Biochemie ein Pflichtfach. 

Im Lehrbetrieb hat es mir bestens gefallen. Eine perfekte Möglichkeit war die Rotation in die verschiedenen Abteilungen. So wurde das eigene Wissen stets erweitert. Ich fühlte mich in jedem Team gut integriert was ich sehr zu schätzen wusste. 

Bei Problemen in der Produktion war die Aufgabe die Ursache zu ermitteln. Im Weiteren wurden Versuche und Test für Kunden durchgeführt. Die Aufträge kamen von Kunden oder wurden von Aussendienst Mitarbeitern eingeholt. In der QS bestanden die Arbeiten zur Prüfung der Fliesseigenschaften oder der Reinheit, als Beispiele zu erwähnen. Es hat mir richtig Spass gemacht, stets neues zu lehren und immer selbständiger arbeiten zu können.» 

Zurück zur gestellten Frage, meint Herr Vogel: «Ich finde die drei Bildungsorte als grossen Vorteil. Besonders im üK hat man Gelegenheit Themenspezifische Gebiete kennen zu lernen, zum Beispiel Applikationen oder Prüfmethoden die im eigenen Betrieb nicht zur Anwendung kommen. Besonders interessant war natürlich der überbetriebliche Kurs an der ZHW im letzten Lehrjahr. Das ermöglicht später leichter in ein anderes Fachgebiet zu wechseln, sei dies in ein Chemie- oder Biologielabor. Hilfreich ist es zudem bei der Wahl einer anschliessenden Weiterbildung.» 

«Wie sieht der Alltag in einem Farb-Lack Labor aus?», war ich nun neugierig geworden. 

«Die wichtigsten Aufgaben sind aufgeteilt in die Bereiche Entwicklung, Analytik, Qualitätskontrolle und Anwendungstechnik. 

Momentan arbeite ich in der der Forschung und Entwicklung. Wir testen die Haftfestigkeit auf unterschiedlichen Untergründen, die Kratzfestigkeit, Korrosionsschutz und die Temperaturstabilität, als einige der wichtigsten Arbeiten zu erwähnen.  

Im Weiteren werden die Farben und Lacke auf die verschiedenen physikalischen, chemischen und mechanischen Eigenschaften geprüft.

In der Entwicklung werden Farbe und Lacke mit neuen Eigenschaften entworfen und getestet. Es dient zur Verbesserung der Qualität oder zum Einsatz von umweltverträglicheren Rohstoffen. 

Modetrends der Farben wechseln oft schnell. In einem Farb-Lacklabor versucht man stets den geforderten Ansprüchen zu entsprechen. Manchmal sind es Kunden mit spezifischen Farbwünschen. Hier gilt es als erstes abzuklären auf welchen Untergrund die Farbe appliziert werden soll.» 

«So ist ihr Arbeitstag immer farbig und abwechslungsreich. Gibt es trotzdem Arbeiten die bevorzugt werden?», fragte ich nun Herr Vogel. 

Er überlegt, und meint: «Wenn ich einen gesamten Vorgang entwickeln kann freue ich mich immer besonders. Das beginnt mit dem theoretischen Auftrag eines Kunden bis zur optimierten, funktionierenden Praxis. Hier ist nebst dem Wissen über Farben und Lacke eine sorgfältige Handarbeit wichtig. Nur so erreicht man ein befriedigendes Resultat. Es erfordert ein gutes theoretisches Wissen wie auch ein praktisches Können, was solche Arbeiten besonders abwechslungsreich gestaltet.»     

«Die Weiterbildungsmöglichkeiten sind vielfältig, haben sie sich auch schon Gedanken zu diesem Thema gemacht?», war eine weitere Frage von mir. 

«Als erstes werde ich diesen Sommer die RS absolvieren. Während dieser Zeit werde ich mir Gedanken dazu machen. Ich wünsche mir eine facettenreiche Tätigkeit und der Möglichkeit stets neues Wissen zu erwerben.» 

«Nebst all ihrem beruflichen Interesse, bleibt noch Zeit für die Freizeitgestaltung?» 

Herr Vogl lacht und meint: «Ein Ausgleich ist mir sehr Wichtig. Ich treibe gerne Sport sei dies Joggen, Kraftübungen oder beim Badmington Spiel. Daneben lese ich gerne zu den Themen Technik und Astronomie.  

Ich lebe nach dem Motto: Begeisterungsfähig bleiben und immer offen sein für Neues.» 

Wir danken Herr Lukas Vogel herzlich für das lebhafte, offene Gespräch. Dass er stets für Neues interessiert ist, war während des ganzen Gesprächs spürbar. 

Mit dieser Einstellung wird er sein Ziel sicher stets erreichen. Wir wünschen ihm weiterhin viel Erfolg im beruflichen und privaten Leben.  

 

 

Charlotte Rothenbühler