Laborscope durchsuchen...

Mediadaten

Download Mediadaten 2018

Laborscope das offizielle Organ des Fachverbandes für Laborberufe Schweiz.

Biobank und HIV-Kohortenstudie

Die erste automatisierte Flüssigbiobank der Schweiz ist seit genau einem Jahr in Betrieb. Pünktlich zum ersten Geburtstag werden die lokalen biologischen Proben der renommierten Swiss HIV Cohort Studie (SHCS) in die Liquid Biobank Bern (LBB) integriert. Die Kombination von neuster Technik und einer bewährten wissenschaftlichen Datenbank ist ein Glücksfall für die Forschung.

Die Schweizerische HIV-Kohortenstudie existiert seit Ende der 1980er-Jahre. Sie umfasst die Daten von über 19 000 HIV-Patientinnen und -Patienten. Mehr als 1 000 wissenschaftliche Publikationen und wichtige Erkenntnisse in Bezug auf eine erfolgreiche Therapie von HIV gingen aus ihr hervor. Alle Universitätsspitäler der Schweiz, die Kantonsspitäler und die meisten spezialisierten Ärztinnen und Ärzte sind an der Kohorte beteiligt. Am Inselspital werden die Bioproben im Institut für Infektionskrankheiten der Universität Bern verarbeitet, mikrobiologisch analysiert, und sie wurden bisher auch dort gelagert. Bis heute wurden mehr als 150 000 biologische Proben nach dem bisher höchsten Biobankingstandard gesammelt. Künftig wird die HIV-Kohortenstudie von der modernen Infrastruktur der Liquid Biobank Bern (LBB) profitieren können und damit von den neusten technologischen Entwicklungen im Biobanking

Hervorragende Qualität der Proben dank modernster Technik
Prof. Dr. med. Andri Rauch ist stellvertretender Chefarzt Infektiologie des Inselspitals und Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Swiss HIV Cohort Studie (SHCS). Die Biobank vereinige drei entscheidende Vorteile: Automatisierung, neuste Software und Zentralisierung. Sie sichere eine Aufbewahrung der Proben in höchster Qualität und liefere mit der Zeit einen wahren Schatz an biologischen Proben. «Eine solche Biobank wächst, sie wird immer grösser. Die Patientinnen und Patienten werden fachärztlich begleitet und der Verlauf der Erkrankung im Detail erfasst. Parallel dazu braucht es biologische Proben. Beides zusammen ergibt eine sehr ergiebige Datenbasis, aus der sich mittels Forschung Wissen generieren lässt.»

Blick auf das Deck des Pipettier-Roboters. Hier werden die Biobankproben in Unterproben (Aliquots) aufgeteilt.

 

Weit- und umsichtige Sammlung von Daten
Das erfolgreiche Prinzip der HIV-Kohortenstudie – sehr gute klinische und mikrobiologische Langzeitdaten kombiniert mit biologischen Proben, auf die man jederzeit zurückgreifen kann – bildet auch die Basis der Zusammenarbeit mit der Biobank. «Es ist entscheidend, dass Forschende die Proben prospektiv sammeln, über Jahre und Jahrzehnte. Die Fragestellungen ändern sich. Im Moment lässt sich nicht sagen, welche Proben wann essenziell sein werden. Entscheidend ist, dass man jederzeit einen Schritt zurückgehen und die Proben erneut analysieren kann.» Damit resultiert ein kompletter Datensatz, die wissenschaftlichen Erkenntnisse gründen auf einer breiteren und repräsentativeren Datenbasis und sind wertvoller. Andri Rauch nennt als Beispiel eine Studie im Bereich Hepatitis. «Wir haben gesehen, dass gewisse Parameter bei länger zurückliegenden Konsultationen gefehlt haben. Wir konnten aber auf die Plasmathek zurückgreifen und die Analyse nachholen. Das war für die Qualität dieser Studie entscheidend.»

Wissenschaft 2.0
Einen weiteren Vorteil sieht Infektiologe Andri Rauch in der Verbindung mit den weiteren Daten, die an einem Universitätsspital verfügbar sind. Stichwort Data-Warehouse. Wenn Forschende Zugriff haben auf alle Laborergebnisse, alle klinischen Daten und auf biologische Proben, ergibt das eine einmalige Plattform für die Zukunft. Biobanking werde die medizinische Forschung in den nächsten Jahren und Jahrzehnten prägen, davon ist Andri Rauch überzeugt. Die Integration der lokalen HIV-Kohorte in die Biobank Bern sieht er daher als logischen und vielsprechenden Schritt.

 

Quelle: www.inselgruppe.ch